Stoneman Arduenna silber

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Nach dem mein Stoneman Glaciara Abenteuer in der Schweiz auf Grund totaler Selbstüberschätzung schief gegangen ist, hoffte ich für den neuen Stoneman Arduenna dazu gelernt zu haben. 176 Kilometer mit 3400 Höhenmetern auf zwei Tage verteilt sollte eine Stoneman Trophäe in Silber zum Ergebnis haben. Der Spruch „erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ sollte wieder Mal in diversen Situationen der Wahrheit entsprechen.

Als die Nachricht kam, dass wir von Coffee & Chainrings einen Stoneman in unsere Nähe bekommen sollten, war die Freude groß. Hatten Schildi, Daniel und ich uns doch in der Schweiz auf dem Stoneman Glaciara infizieren lassen. Obwohl es keiner von uns geschafft hatte den Glaciara zu finishen, wurden für den Stoneman Arduenna direkt Pläne geschmiedet. Während Daniel, Thomas und Reinhard den Stoneman in Belgien direkt mit Gold veredeln wollten, kam für mich mit den Erfahrungen des Glaciara nur Silber in Frage. Und damit alles perfekt lief, plante ich auch großzügig.

Planung der Route

Als erstes legte ich die Grundlage für mich fest. Es sollte unter Ausschluß der Öffentlichkeit passieren, keine Vorankündigungen, keine Insta-Story-Doku, kein Facebook-Content. Deshalb gibt es auch so gut wie keine Fotos meiner Tour (damit auch wenig Fotos hier im Beitrag). Nur Daniel und Dominik waren eingeweiht. Dann gab es ein paar Eckpunkte, die erfüllt werden sollten:

1. es sollte keine Bike-Packing-Tour werden, bedeutet ich wollte das Gewicht des Rucksacks so gering wie möglich halten und damit mussten Pflege-Untensilien, Eiweißdrink und Wechselklamotten draussen bleiben. Ebenso die Verpflegung für den zweiten Tag.

2. ich wollte den zweiten Tag in frischen Klamotten bestreiten

Dafür habe ich mir eine „Basis-Station“ ausgesucht, bei der ich starten, übernachten und finishen würde. Um das relativ effektiv zu koordinieren kam nur in Frage die Stoneman-Runde in eine nördliche Etappe und eine südliche Etappe zu teilen. Die Erreichbarkeit von zuhause spielte auch eine Rolle deshalb fiel meine Wahl auf die B&B Unterkunft „De Eifelhoeve“ in Herresbach. Auf Komoot spielte ich dann mit verschieden Varianten und kam zu dem Schluß zu erst in Born auf die nördliche Runde zu starten und dann abends in Herresbach zu übernachten. Am zweiten Tag würde ich dann direkt in Herresbach auf die südliche Runde starten uns quasi in Born mein letztes Stempelloch zu holen.

Es gab zwei Varianten die Distanz zwischen Herresbach und Born zu überwinden. Erstens: ich bringe meine Klamotten morgens am ersten Tag zur Unterkunft, hole dort meine Startunterlagen, fahre dann mit dem Auto nach Born und lasse das Auto über Nacht dort stehen um am zweiten Tag endet die Tour in Born und ich fahre mit Auto zurück um mir die Trophäe abzuholen. Zweitens: ich lasse alles in Herresbach, auch das Auto und fahre von Herresbach nach Born mit dem Rad um dort dann auf die Strecke zu gehen. Am zweiten Tag würde ich dann nach dem letzten Stempel in Born auch wieder mit dem Rad zurück nach Herresbach fahren. Distanz der Überführungsetappe sind 14,5 km mit 150hm pro Tag. Das würde in Summe dann zwei Tage mit jeweils ca. 105km und am ersten Tag 1800hm, am zweiten Tag 2000hm bedeuten. Na, was denkt Ihr welche Variante kam nur in Frage? Klar, Variante 2!

Der Entschluß zuerst die nördliche Route zufahren, fiel auf Grund des Respekts vor dem höchsten Punkt des Stoneman Arduenna und zugleich dem höchsten Punkt Belgiens, Signal de Botrange im hohen Venn. Hätte ich das Höhenprofil der gesamten Strecke genauer angeschaut, wäre mir vielleicht aufgefallen, dass der Anstieg von Malmedy zum hohen Venn zwar der längste ist, aber die Anstiege auf der südlichen Strecke zwischen Herresbach und Grüfflingen wesentlich mehr Respekt erfordern. Erstens kommt es anders…..

Zum Zeitmanagement hatte ich überhaupt keine Idee. Als Grundlage diente mir der Stoneman Glaciara mit 71km und 3000hm in 7:40 Std Bewegungszeit und meine letzte 100km Runde auf der Sophienhöhe mit 1500hm in 5:50 Std. Da ich es langsam angehen wollte und die Fahrt genießen wollte, plante ich mit 8 Stunden Fahrzeit pro Tag.

Ich packe meinen Rucksack und nehme mit…

Grundsätzlich mein MTB. Nein, nicht in den Rucksack, aber das möchte ich Euch nicht vorenthalten. Ich nehme es mal vorweg: ein Fully ist beim Stoneman Arduenna nicht notwendig. Alle Trails, bergauf und bergab, sind mit dem Hardtail fahrbar. Wenn man nicht gerade ein Race-Fully mit 8 Kilo hat, ist das meist geringere Gewicht des Hardtail mehr von Vorteil als die Vollfederung. Übrigens würde ich, wenn ich Gold anstreben wollen würde auch mit dem Hardtail fahren. Da ich nicht wusste was mich erwartet, hatte ich den Loamer Radsatz von Bike-Components mit Maxxis Ikon montiert.

Die Wettervorhersage für den ersten Tag versprach sommerliches Wetter. Also war Flüssigkeit das wichtigste. Ich füllte meine 600ml Trinkflasche mit Leitungswasser und in die Trinkblase füllte ich 2 Liter Iso-Mischung. Dazu kamen noch diverse Schokoriegel, Snickers durfte für die Diva nicht fehlen, ein Marmeladenbrötchen, ein paar Salamisticks und meine geliebten Powergumms von Sponsor Food. Dazu kam noch ein Ersatzschlauch, Minipumpe, CO2-Kartusche, Maxalami, Minitool und ein Erste Hilfe Set. Da ich nicht davon ausging, dass mein Edge 1000 8 Stunden durchhalten würde und ich zwar die Powerbank, nicht aber das passende Ladekabel dabei hatte, zeichnete ich die Tour mit der Fenix auf und ließ mich vom Edge navigieren. Mein Verpflegungsplan am ersten Tag ging voll auf. In Malmedy das Marmeladenbrötchen und ein Snickers, bei Signal de Botrange ein Schokoriegel, zwischendurch immer ein paar Powergumms und an der vorletzten Stempelstelle die Salamisticks. Als ich in der Unterkunft in Herresbach ankam hatte ich noch 0,5 Liter in meiner Trinkblase und die Trinkflasche war fast leer.

Für den zweiten Tag war bewölktes und kühleres Wetter angesagt, für die zweite Tageshälfte sogar Regen. Deshalb packte ich zusätzlich meine Regenjacke ein. Die Verpflegung sah genauso aus wie am ersten Tag, jedoch gab es statt dem Marmeladenbrötchen ein Stück Maismehl-Baguette. Die Trinkflasche war wieder voll aber da ich am Vortag einen halben Liter Iso-Getränk über hatte und es kühler werden sollte, füllte ich für die zweite Runde nur 1,5 Liter ein, um etwas Gewicht zu sparen. …und zweitens als man denkt, aber dazu später mehr.

Tag 1

Für den ersten Tag stand folgendes auf dem Program: Überführungsetappe Herresbach – Born, Born – Malmedy, Malmedy – Hohes Venn, Hohes Venn – Büdgenbach, Büdgenbach – Herresbach. Die Überführungsetappe über Asphalt war in 45 Minuten ohne grosse Anstrengung erledigt und es ging auf die Strecke. Den Stempel in Born holte ich mir nicht, da ich dafür einen Kilometer entgegen der Strecke hätte fahren müssen und zweitens ich noch nichts geleistet hatte was diesen Stempelpunkt begründet hätte. Er würde am nächsten Tag der Zielstempelpunkt werden. Die Strecke zwischen Born und Malmedy war sehr schön zu fahren, einige Trails, eine Brückenquerung und viele Waldwege machten es recht kurzweilig. Die Stempelstelle in Malmedy war schnell gefunden, steht sie doch direkt vor der imposanten Kathedrale Sankt Petrus.

Der Weg aus Malmedy heraus gestaltete sich als sehr steil und mit Stufen gespickt, so dass ich hier schieben musste. Die Strecke zwischen Malmedy und Hohem Venn ist mir nicht ganz so attraktiv in Erinnerung, es ging viel über Asphalt und breite Schotterwege. Dabei war der Weg entlang der Warche zwar nicht anspruchsvoll aber dennoch sehr hübsch. Erstaunlicher Weise wartete ich vergebens auf die mir respektvoll erscheinende Steigung zum Hohem Venn. Entweder waren meine Beine so gut oder die Steigung war einfacher als gedacht. Jedenfalls erwischte ich mich dabei, dass ich das letzte Stück Steigung vor dem höchsten Punkt Belgiens im Wettkampftempo unterwegs war. Kaum wurde mir das bewusst, schaltete ich einen Gang zurück und rollte entspannt bis Signal de Botrange. Hier hielt ich mich nicht lange auf, stempeln, Schokoriegel, Powergumms und weiter gings. Wer möchte, kann an der Lokalität eine längere Pause einlegen und sich verpflegen.

Vom Hohen Venn aus ging es erst einmal lange auf Schotterwegen bergab. Zu diesem Zeitpunkt machten sich erstmals Rückenschmerzen bemerkbar. Die Probleme im unteren Rücken bekomme ich immer wieder nach längerer Fahrzeit und resultieren aus Faulheit, diesem Bereich die notwendige Pflege zukommen zu lassen. Selber schuld. Zwischen Hohem Venn und Büdgenbach wurde die Strecke wieder abwechslungsreicher und der Spass kam zurück. Allerdings wurde er durch die sich verschlimmernden Rückenschmerzen getrübt. Glücklicher Weise gleicht das Höhenprofil zwischen Hohem Venn und Büdgenbach und im weiteren Verlauf nach Herresbach nur noch geringe Zacken auf. Die Rückenprobleme waren auch der Grund dafür, dass ich die Trails nicht mehr so genießen konnte, schränkten sie mich doch in meiner Flexibilität arg ein.

Das ist auch ein Punkt warum ich an den Teil der Strecke nicht viele Erinnerungen habe. Eins fand ich jedoch genial gelöst: die Streckenführung läuft sehr oft wenige Meter parallel zum Vennbahn-Radweg auf Trails, echt Klasse. Nachdem ich mich zum vorletzten Stempelpunkt in Büdgenbach hoch gekämpft hatte, machte ich eine längere Pause, um meinem Rücken etwas Erholung zu verschaffen. Als ich wieder auf den Weg machte, sah ich einen der wenigen Mitstreiter an der Stempelstelle. Es war Klaus, den ich später in der Unterkunft wiedersehen sollte und der am nächsten Tag eine zeitlang mein Begleiter sein sollte. Ich machte mich auf den dann wieder traillastigen letzten Teil der heutigen Runde.

An der letzten Stempelstelle des Tages in Herresbach durchströmte mich dann doch etwas Stolz, es bis hier hin geschafft zu haben. Ich hatte bis dahin weder der Zeit noch der Entfernung Beachtung geschenkt, da ich die Fahrt ohne jeglichen Zeitdruck fahren wollte. Um so erstaunter war ich, das 102km in etwas mehr als 6 Stunden Bewegungszeit auf dem Garmin standen. Damit hatte ich nicht gerechnet, dann doch so schnell zu sein. Zufrieden rollte ich die letzten 500 Meter bis zum De Eifelhoeve um den Tag zu beschließen.

De Eifelhoeve und nette Bekanntschaft

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Ansgar Girsig

Ich bin schon immer Radfahrer gewesen. In meiner Jugend bin ich immer lieber mit dem Rad anstatt mit dem Bus zur Schule gefahren und war auch mit Freunden immer auf dem Rad unterwegs. In der Zeit des Arbeitslebens und der Familienbildung war ich sportlich relativ inaktiv. Nach einer Knieoperation 2014 war das Rad die beste Reha und es hat sich stetig bis zur Sucht entwickelt. Heute geht es nicht mehr ohne Rad und der Wille immer besser zu werden ist mein Antrieb.