Die MAXXIS BIKE Transalp 2020 wurde aus den bekannten Gründen abgesagt und findet erst wieder 2021 statt. Viele Starter haben aber natürlich schon den Großteil ihrer Vorbereitung hinter sich, sowohl logistisch als auch sportlich. Auch Tim und Schildi sind schon jetzt topfit und müssen ihre Form und Energie natürlich irgendwo einbringen. Ein neues Ziel musste her – und so hieß es am vergangenen Freitag: ab auf den Mount Everest!

Natürlich nur im übertragenen Sinne, die beiden wollten „nur“ die 8.848 Höhenmeter schaffen, die man vom Meeresspiegel bis hoch zum Gipfel des Mount Everest erklimmen müsste. Warum Everesting, warum im Brohltal und wie es lief, erzählen Euch die beiden selbst.

Sebastian: „Es ist Samstagmorgen, gestern wart Ihr viele Stunden auf dem Rad. Daher zuerst die Frage: Wie geht es Euch heute?“

Schildi: „Es fühlt sich an wie eine „Gesamtkörpermüdigkeit“. Wir sind kaputt, aber Verletzungen haben wir keine. Heute könnten wir aber nicht nochmal ran.“

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Sebastian: „Dann fangen wir mal von vorne an. Die MAXXIS BIKE Transalp werdet ihr 2021 in Angriff nehmen, als neues Ziel für 2020 habt ihr euch die Everesting-Challenge ausgesucht. Warum gerade Everesting?“

Tim: „Das war eine spontane Sache. Vor zwei Wochen haben wir telefoniert und ich hab das vorgeschlagen. Schildi war direkt mit dabei und das war es eigentlich schon. Wir wollten einfach zeigen, dass wir auch trotz des Ausfalls unseres Jahresziels nicht unterkriegen lassen. Wir wollten abliefern! Und das ist uns auch gelungen, auch wenn wir den Gipfel des Mount Everest aus verschiedenen Gründen nicht erreichen konnten.“

Ziel nicht ganz erreicht – dennoch happy

Tim sagte es – die 8.848 Höhenmeter haben die beiden nicht ganz erreicht. Tim ist nach über 200 km und fast 6.400 Höhenmetern sowie gefahrenen 13 Stunden ausgestiegen. Schildi hat es zwei Stunden länger probiert und kam bei 230 km auf 7.100 Höhenmeter und fast 14,5 Stunden reine Fahrtzeit. Eine bombastische Leistung der beiden – aber warum fehlten dann doch noch ein paar Höhenmeter?

Schildi: „Das hatte verschiedene Gründe – zum Glück keine gesundheitlichen. Hauptsächlich hat uns die Strecke mehr Körner gekostet als gedacht. Der Anstieg ist doch nicht so geeignet wie erhofft, vor allem der Waldboden war eher schlecht zu fahren. Generell war es sehr unregelmäßig und daher etwas zu kraftraubend. Dadurch fehlte uns hinten raus doch mehr Power, um es zu vollenden. Und: Es fehlte uns Zeit. Vielleicht war 5:30 Uhr als Startzeit doch zu optimistisch …“

Tim: „Ab dem Nachmittag spielte auch das Wetter nicht mehr mit. Es wurde echt kalt und der Regen war auch übel. Blöderweise ging an meinem Rad nach und nach quasi alles kaputt, beginnend mit merkwürdigen Geräuschen, hin zu Schaltungsproblemen und einem krummen Schaltauge. Körperlich hätte ich zwar noch was reißen können, aber durch die äußeren Umstände hab ich dann entnervt hingeworfen; ich hatte einfach keinen Bock mehr“.

Schildi: „Bei meinem Ausstieg hatte ich noch 1.800 Höhenmeter vor mir, die hätte ich von den Beinen her sogar schaffen können. Aber dann alleine, in der Kälte, im Regen, im Dunklen und mit schon so vielen Stunden in den Beinen, war meine Grenze vor allem im Kopf einfach erreicht. Trotzdem wars irgendwie geil – war mein erstes richtig fieses Ding, im Gegensatz zu Tim bin ich ja auch noch kein 24-Stunden-Rennen gefahren, diese Belastung war komplett neu für mich.“

Schildi, die Bergziege

Für das Everesting haben sich die beiden übrigens einen von Schildis Anstiegen im Brohltal ausgesucht, denn Tims Heimat ist im Gegensatz dazu doch recht flach. Da passte das Stravasegment „Zissen Steinbergerhof“ ziemlich gut, mit 4,3 km und 266 Höhenmetern bei einer durchschnittlichen Steigung von 6 % (darunter eine schöne Rampe von knapp 20 %) ist der Anstieg anspruchsvoll, aber nicht zu hart.

Sebastian: „Da Schildi den Anstieg ja gut kennt, konntet Ihr Euch sicherlich einen „Raceplan“ zurechtlegen, an den Ihr Euch gehalten habt oder halten wolltet?“

Tim: „Genau. Der Plan war, dass Schildi bergauf das Tempo bestimmt, da er mit seinem power2max-Powermeter für eine gleichbleibende Pace sorgen kann und wir eine regelmäßige Belastung beibehalten wollten. Das haben wir auch so durchgezogen. Bergab hab ich dann das Tempo vorgegeben, was aber aufgrund der Bodenverhältnisse leider weniger entspannend war als gedacht – auch so ein Ding: bergab konnten wir uns nicht erholen. Unten wartete dann aber Schildis Frau Nadine nach jeder Runde auf uns mit Verpflegung, Anfeuerung und mentaler Unterstützung. Ohne sie wären wir nicht mal annähernd so weit gekommen. Dafür nochmal vielen vielen Dank!“

Sebastian: „Körperlich seid Ihr gut durchgekommen, gilt das auch für die Psyche, die sicherlich bei einem solchen Event eine große Rolle spielt?

Schildi: “ Es ist geistig schon anstrengend, immer wieder den gleichen Anstieg hoch und wieder runter zu fahren. Ich bin ja 27 mal da hoch, irgendwann nervt es dann doch, immer das gleiche zu sehen. Bei einem Rundkurs wäre die Abwechslung dann doch ein bisschen größer.“

Tim: „Für mich war es psychisch nicht so anstrengend. War ok!“

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Sebastian: „Und wie ist Euer Fazit?“

Tim: „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, weiß aber: da geht noch mehr! Ich bin vor allem auch glücklich darüber, dass ich eine gute Form habe und verletzungsfrei geblieben bin. Nach 2018 ist es wichtig für mich zu sehen, dass mein Körper mitspielt und diese hohe Belastung wegsteckt.“

Schildi: „Es war ein Erlebnis. Auch ich bin zufrieden – über 7.000 Höhenmeter in der Eifel, da kann man eigentlich nicht unzufrieden sein!“

Everesting, die zweite?

Sebastian: „Versucht ihr es nochmal?“

Tim: „Am liebsten nächste Woche!“

Schildi: „Aber ohne mich!“

Tim: „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen …“

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