Die Entscheidung beim Wörthersee Gravel Race mitzufahren, war etwas spontan und kurzfristig. Grundsätzlich wollte ich irgendwann mal ein UCI-Gravelrennen ausprobieren, und Dank einer möglichen Fahrgemeinschaft mit Amanda, die mit dem Rennen in ihre Gravelsaison startet wollte, ließ ich mich leicht überzeugen. Die Jugendherberge direkt am See hatte auch noch ein Zimmer frei und schon war die Anmeldung in meiner Altersklasse getätigt. Außerdem gab es ja auch noch ein Grüppchen weiterer Mitfahrer aus dem Verein… Diese trafen wir auch gleich nach unserer Ankunft am Freitag abend in einer Pizzeria und konnten sogar die neuesten Streckeninfos einholen, da sie ihren Recon schon am Freitag gefahren sind.
Zusammen mit Amanda und Marius, einem alten Bekannten von ihr, fuhr ich dann am Samstag meinen ersten Recon. Dabei sind wir den größten Teil der Strecke mit den verschiedenen Anstiegen abgefahren. Wir haben sicherheitshalber auch schon mal die Landschaft mit Wasser- und Bergpanorama genossen, falls das am Renntag zu kurz kommen sollte. Die Sonne hatte zwar munter geschienen, aber ich fand es trotzdem relativ kalt, trotz Arm- und Knielingen. Kurz-kurz für den Renntag hörte sich für mich nicht so sinnvoll an, mal sehen… Ziemlich Respekt hatte ich nun zwar nicht vor der Strecke selber, aber schon vor dem Tempo, was anscheinend bei so einem Gravel-Rennen üblich ist.
Nach dieser Runde hatten wir dann auch schon über 60km und 800Hm auf dem Tacho. Obwohl ich mich zurückgehalten habe, würde ich die vorgeschlagenen Erholungszeiten besser komplett ignorieren. Den Rest des Tages haben wir mit Pizza-Loading, zuerst nachmittags am See und später in einer Pizzeria, verbracht.
Nachdem ich die erste Nacht in der Jugendherberge richtig gut geschlafen hatte, war mir das in der Nacht vor dem Rennen nicht vergönnt, aber so was habe ich schon öfters überlebt. Nach dem ausgedehnten Frühstück, wo wir außerdem auf Amandas Geburtstag mit Kaffee „anstoßen“ konnten, war es dann an der Zeit, zu unserem Startblock zu fahren. Die Altersklassen-Frauen starteten hinter, aber zeitgleich mit den Elite-Frauen. Davor starteten die Elite-Männer und hinter uns die Altersklassen-Männer. Da meine Altersklasse schon auf der kürzeren Strecke (94km, statt 150km) unterwegs ist, hatte ich mir vorgenommen, beim Start nicht zu sparen und zügig loszufahren. Die verschiedenen Altersklassen konnte man durch unterschiedlich farbige Startnummern ganz gut auseinanderhalten. Es waren 9 in meiner AK gemeldet, einige davon konnte ich im Startblock erkennen, ein Europameistertrikot war auch dabei.
Dann ging es, unvermeidlicherweise, los… ich bin sogar tatsächlich ganz gut weggekommen und das von mir befürchtete Chaos ist ausgeblieben. Staufrei ging es über den ersten Anstieg und nach der Abfahrt fanden sich genügend Grüppchen für die Flachstücke. Es hat nicht wirklich lange gedauert, bis die ersten schnellen Männerzüge vorbeigeflogen kamen, aber das verlief eigentlich auch stressfrei. Überraschend hart war der Anstieg in der Mitte der Hauptschleife. Ich war dann doch froh, dass ich kein größeres Kettenblatt hatte… Glücklicherweise hatte ich immer ein paar Frauen um mich rum, die ein ähnliches Tempo gefahren sind, so dass wir uns gegenseitig etwas Windschatten geben konnten. Als es wieder auf den Start/Ziel Loop ging, war ich dann allerdings sehr froh, dass ich nicht wie meine Mitfahrerinnen nochmal in die Hauptschleife abbiegen musste, sondern weiter in den Zielloop fahren durfte.
Im Ziel angekommen, entdeckte ich das erste mal auf der Strecke eine andere Fahrerin aus meiner Altersklasse, die anscheinend kurz vor mir angekommen war. Weitere waren schon im Ziel. Im Internet habe ich dann herausgefunden, dass ich vierte geworden bin, mit etwas über einer halben Minute Rückstand zur dritten und somit die WM-Quali gar nicht soweit verfehlt habe. Aber macht nichts, ich wollte sowieso nicht nach Australien reisen. Und ich hatte auch das Gefühl, dass ich alle Körner komplett verbraucht hatte, also das Pacing genau gepasst hatte. Dazu noch alles sturzfrei und ohne Panne, damit war ich äußerst zufrieden.
Da ich die kürzere Strecke gefahren bin, war ich als erste von meinen Leuten im Ziel. Das Wetter war bestens, so dass man es mit der Zielverpflegung gut aushalten konnte, bis nach und nach die ganze Vereins-Gang, Amanda und weitere Bekannte im Ziel eingelaufen sind. Amanda hatte sich zu ihrem Geburtstag sogar noch mit dem dritten Platz in ihrer AK und damit einer WM-Quali beschenkt, so dass wir dann gleich noch bis zur Siegerehrung geblieben sind. Ein äußerst gelungenes Wochenende!
Vielleicht reichen fünf Wochen Training einfach nicht. Vielleicht ist das alles keine gute Idee. Vielleicht schaffst du die Distanz gar nicht. Und die Höhenmeter erst…
Mit diesen Gedanken und einigen „Vielleichts“ und „Eigentlichs“ mehr bin ich am vorletzten Sonntag gemeinsam mit Nicole zur Startaufstellung gerollt. Mein erstes Rennen seit 2019! Unsere beiden Männer hatten wir bereits zu ihren Startblöcken begleitet. Wir waren ganz zum Schluss dran mit dem Start.
Den ersten Teil der Strecke und die ersten Anstiege hatten wir am Freitag zuvor erkundet – ich wusste was mich erwartet. Und dass ich diesen Teil der Strecke schaffen kann. Was danach kommt? Wusste ich nicht. War vielleicht auch besser so… Denn hätte ich den zweiten größeren Anstieg des Tages bereits gekannt, wäre ich vermutlich gar nicht erst gestartet. Gut, überraschend kommen Berge rund um den Wörthersee jetzt nicht. Die Kulisse ist grandios! Ich hatte mir vielleicht einfach gewünscht, wir müssten nicht ganz so hoch hinaus…. Ich musste mehrfach anhalten, sogar ein kurzes Stück schieben, aber damit war ich nicht allein.
Zum Glück war jedoch ein großer Teil der Strecke nach dem zweiten Anstieg – nach dem es ja auch zunächst einmal wieder bergab ging – flach. Mit einem herrlichen Ausblick ging es auf Schotter und Feldwegen an der Drau entlang. Und ab km 50 war ich ziemlich fest entschlossen, das fährst du zu Ende. Das wird gehen. Gut, einen Berg hatte ich noch vor mir…
Der letzte Anstieg der Runde ist derselbe wie ganz zu Beginn der Strecke, nur eben anders herum. Auch hier war also klar, was kommt. Kurz vor der letzten Labestation musste ich dann doch noch einmal absteigen. Es ging nicht mehr. Aber 10 km vor Schluss gibt man ja auch nicht mehr auf. Kurze Pause oben und Cola, Iso, Gummibärchen, dann der wirklich allerletzte Teil bergan. Und irgendwann war der Berg dann tatsächlich vorbei…
Nur noch ein paar km bergab ins Ziel rollen – das erste Mal Gänsehaut, als mir das klar wurde. 78 km und 936 hm geschafft. Viereinhalb Stunden. Alles andere als optimal vorbereitet, aber ohne Pannen im Ziel. Für mich nach drei Jahren gesundheitlicher Durststrecke und viel zu wenig Sport definitiv ein Sieg.
Und die Veranstaltung vor der wunderbaren Bergkulisse, die einem, selbst wenn man eigentlich gerade gar keine Luft mehr hat, noch den Atem stocken lässt, super organisiert und mit dem besten Team – ich denk, wir kommen wieder. Vielleicht ein bisschen besser vorbereitet…
Nach dem langen kalten und nassen Winter mit einigen Infekten und viel zu wenig Training habe ich lange an der Unternehmung Wörthersee Gravel Race gezweifelt. Aber ab Anfang März (?) lief mein Training besser als erwartet, das Wetter erlaubte mir lange Fahrten an allen Wochenenden. Nur mein heißersehntes Gravelbike war nicht ganz fertig…
Am Ende entschied ich mich, lieber auf Nummer sicher zu gehen und mit meinem MTB zu starten, auf dem ich mein gesamtes Training absolviert hatte. Lediglich die Zeitlimits machten mir ein wenig Kopfzerbrechen – ein Racefully ist im Vergleich zum Gravelbike dann doch langsam, sodass ich mir bis zum Renntag offen ließ, statt der 150 km „nur“ auf die 94km-Runde zu gehen.
Die Entscheidung fiel dann auf der Strecke zugunsten der 94 km und so war ich nach etwas mehr als vier Stunden im Ziel, wo kurz darauf Nicole und eine Weile später auch Rebekka eintrudelten. Bei guter Zielverpflegung warteten wir gemeinsam auf Marc, der die ganze Distanz von 150 km absolviert hat. Auch Imke trafen wir nach ihren 94 km im Zielbereich.
Eine insgesamt tolle Veranstaltung, mit der ich jetzt aber eine Rechnung offen habe – für die 150 km in 2027 ist dann auch das Gravelbike fertig, versprochen, Gralf!







