Wenn man meine letzten Beiträge hier gelesen hat, dann könnte man sagen: „Alex hat schon öfter neu angefangen.“ – und ehrlich gesagt stimmt das auch.

2010
2011
Nach dem Hauskauf
Nach den Kindern
Nach Corona
Nach dem Jobwechsel
Nach dem letzten Motivationsloch
Und jetzt eben wieder

Früher hätte mich dieser Gedanke wahrscheinlich gestört. Ich wollte immer der Typ sein, der einfach durchzieht. Der sich durchbeißt. Der aus einem schlechten Winter mit noch stärkerer Form zurückkommt. Der Typ, der 24h-Rennen fährt. Der 200 Kilometer allein auf dem Rennrad abspult. Der 130 Kilometer Beachrace nicht nur startet, sondern auch irgendwie genießt. Der quer durch Deutschland und Benelux zu MTB-Marathons fährt, nachts noch am Bike schraubt und morgens motiviert an der Startlinie steht.

25 Jahre Radsport hinterlassen viele Geschichten. Aber leider nicht automatisch dauerhafte Fitness.

Irgendwann war einfach nichts mehr übrig…

Seit Anfang 2023 ging bei mir sportlich eigentlich kaum noch etwas. Der Jobwechsel hat mich komplett eingesogen. Neue Verantwortung, neue Themen, hoher Druck, viel mentale Last. Dazu Familie, Alltag, Verpflichtungen – die Dinge, die jeder kennt, die aber trotzdem unglaublich viel Energie ziehen.

Und irgendwann war Sport nicht mehr Ausgleich. Sport war ein weiterer Punkt auf der ToDo-Liste.

Ich habe immer wieder versucht, wieder reinzukommen. Ein paar Wochen Motivation. Dann Krankheit. Dann Stress. Dann Schlafmangel. Dann wieder komplette Funkstille. Nach außen sah vieles wahrscheinlich normal aus. Aber körperlich und mental ging es langsam immer weiter bergab.

2025 und Anfang 2026 kam mein persönlicher sportlicher Tiefpunkt. 126 Kilogramm Körpergewicht im März 2026. Chronischer Stress. Kaum Bewegung. Dauernd müde. Dazu kamen zwischen Anfang und Ende 2025 immer wieder massive Rückenschmerzen, die mich zusätzlich vom Sport abgehalten haben. Ich habe das lange ignoriert, ausgesessen und irgendwie versucht weiterzumachen.

Anfang 2026 hat mich dann eine internationale Geschäftsreise endgültig ausgebremst. Nach heftigen Schmerzen bin ich danach doch noch zum Orthopäden gegangen. Das MRT brachte dann die Diagnose: ein Bandscheibenprolaps beziehungsweise eine Bandscheibenvorwölbung.

Das war keine epische Erkenntnis bei Sonnenaufgang. Eher dieses unangenehme Gefühl, morgens aufzustehen und zu merken: “So kann es nicht weitergehen.”

Der Unterschied diesmal: Ich will nicht mehr zurück in mein altes Leben

Früher war mein Denken oft: „Ich muss wieder der Alte werden.“. Der schnelle. Der leichte. Der belastbare. Der mit 15 Trainingsstunden pro Woche. Aber ganz ehrlich? Dieses Leben existiert nicht mehr. Und das ist auch okay.

Zwischen damals und heute liegen Kinder, Karriere, Verantwortung, Schlafmangel, ein anderer Alltag und schlicht ein anderer Lebensabschnitt.

Ich werde wahrscheinlich nicht mehr der Fahrer von 2011. Aber vielleicht werde ich etwas Besseres: Jemand, der Sport endlich wieder nachhaltig in sein Leben integriert. Nicht maximal. Nicht perfekt. Sondern langfristig. Das ist aktuell mein großes Ziel.

Seit April läuft es wieder

Nicht spektakulär. Nicht mit epischen Trainingsumfängen. Nicht mit irgendwelchen FTP-Posts auf Instagram. Aber ehrlich. Seit April bewege ich mich wieder regelmäßig. Ich achte deutlich stärker auf Schlaf und Regeneration. Ich arbeite aktiv daran, Stress auszugleichen statt ihn einfach nur wegzuignorieren.

Und ja: Ich nehme aktuell Wegovy als medizinische Unterstützung beim Abnehmen. Nicht, weil das irgendeine Wunderlösung wäre. Ist es nämlich nicht. Die Spritze ersetzt weder Bewegung noch vernünftige Ernährung noch mentale Arbeit. Aber sie hilft mir gerade dabei, aus einem Kreislauf herauszukommen, aus dem ich allein in den letzten Jahren offensichtlich nicht nachhaltig rausgekommen bin. Was mich dabei ehrlich überrascht hat: Wie extrem schnell der Effekt auf den ständigen Hunger und diesen dauerhaften „Food Noise“ war. Dieses permanente gedankliche Kreisen um Essen, Snacks oder die nächste Mahlzeit war plötzlich deutlich leiser – teilweise fast komplett weg. Und genau das gibt mir aktuell überhaupt erst die Möglichkeit, neue Routinen und eine nachhaltigere Ernährung sauber aufzubauen.

Mein Ziel ist dabei ausdrücklich nicht, dauerhaft an der Spritze zu hängen. Ich möchte die aktuelle Phase nutzen, um meinen Lifestyle langfristig zu verändern – mit besserer Ernährung, mehr Bewegung, weniger Stress und hoffentlich dauerhaft gesünderen Gewohnheiten. Und idealerweise irgendwann auch wieder komplett ohne Wegovy.

Die vielleicht wichtigste Veränderung: weniger Druck

Was sich diesmal am meisten verändert hat, ist gar nicht der Trainingsplan. Es ist der Kopf.

Früher habe ich jede Einheit daran gemessen, was ich einmal konnte. Wenn sich 220 Watt schwer anfühlten, dachte ich an Zeiten zurück, in denen ich stundenlang deutlich mehr gefahren bin. Wenn ich beim Laufen kämpfen musste, dachte ich an frühere Marathonvorbereitungen. Wenn ich am Berg eingehe, erinnere ich mich automatisch an Rennen, bei denen ich genau dort attackiert habe.

Das Problem dabei: Man gewinnt gegen sein früheres Ich fast nie. Zumindest nicht dauerhaft.

Heute freue ich mich darüber, überhaupt wieder regelmäßig Sport in meinem Alltag zu haben. Darüber, dass mein Rücken aktuell stabil bleibt. Darüber, dass Bewegung wieder Spaß macht. Darüber, dass ich nicht mehr ständig komplett erschöpft bin. Das fühlt sich ehrlich gesagt ziemlich gut an.

Auch der Verein soll wieder mehr stattfinden

Was mich in den letzten zwei Jahren zusätzlich beschäftigt hat: Ich war auch im Vereinsleben kaum noch präsent. Coffee and Chainrings war für mich immer mehr als nur ein Logo auf dem Trikot. Der Austausch. Die gemeinsamen Ausfahrten. Das gegenseitige Motivieren. Die nerdigen Gespräche über Material. Die völlige Eskalation bei irgendwelchen bekloppten Event-Ideen.

All das hat mir gefehlt – und gleichzeitig habe ich gemerkt, wie schnell man sich zurückzieht, wenn man sich selbst körperlich nicht mehr wohlfühlt. Mittlerweile merke ich aber: Genau solche Gemeinschaften helfen enorm dabei, wieder in Bewegung zu kommen.

Wie geht es jetzt weiter?

Keine Ahnung. Und das meine ich diesmal positiv.

Vielleicht fahre ich nächstes Jahr wieder ein richtig langes Event. Vielleicht auch nicht. Vielleicht lande ich wieder häufiger auf dem Mountainbike. Vielleicht wird Gravel mein Ding. Vielleicht bleibe ich erstmal bei kurzen Feierabendrunden und Krafttraining.

Im Moment ist das gar nicht entscheidend. Entscheidend ist erstmal: Dranbleiben. Wieder ein sportliches Leben aufbauen, das zu meinem heutigen Alltag passt. Nicht zu dem Alltag von vor 15 Jahren. Und vielleicht ist genau das der eigentliche Fortschritt. Nicht der Versuch, die Vergangenheit zu kopieren. Sondern etwas Neues zu bauen. Langsamer. Gesünder. Nachhaltiger. Aber hoffentlich dauerhaft.

Ich werde Euch hier wieder regelmäßig mitnehmen. Mit Erfolgen. Mit Rückschlägen. Mit ehrlichen Zahlen. Mit schönen Momenten. Und wahrscheinlich auch mit gelegentlichen Frustphasen.

Denn wenn ich aus den letzten Jahren etwas gelernt habe, dann das: Sport funktioniert für die meisten von uns nicht linear. Das echte Leben fährt meistens ungefragt dazwischen.

Aber vielleicht geht es am Ende auch gar nicht darum, niemals hinzufallen. Sondern einfach darum, immer wieder aufs Rad zu steigen.

Bis bald, Eure Renn Maus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert