Dieses Rennen stand schon lange auf meiner Bucket List, und nun war es soweit.
Am ersten Mai Wochenende findet traditionell das Bike Festival in Riva am Gardasee statt. Landschaftlich ist der Gardasee traumhaft schön und daher haben meine Frau und ich entschieden, das Rennen mit einem schönen Kurzurlaub zu verbinden. Somit sind wir ganz gemütlich am Mittwoch angereist und hatten neben dem Rennen auch genügend Zeit, um die Schönheit des Gardasees zu genießen. Am Freitag waren wir natürlich auch auf der großen Bikemesse und es war unglaublich, wieviele Besucher dort waren. Wir haben die Startunterlagen abgeholt, das Bike wurde rennfertig gemacht und ich bin eine letze WarmUp Runde gefahren.
Voller Fokus am Start
Am Samstag um 7:30 Uhr fiel der Startschuss der Ronda Extrema, mit 84 km und 3.434 Höhenmeter eine ordentliche Herausforderung. Der Start fand in der wunderschönen Altstadt in Riva statt. Das Wetter spielte perfekt mit und wir konnten schon in der frühen Morgensonne starten.
Direkt nach dem Start ging es in den ersten Anstieg mit ca. 900 Höhenmetern. Hier sind wir unter anderem am wunderschönen Tennosee vorbeigekommen. Der erste Anstieg lief bei mir sehr gut, der Puls war im guten Bereich und ich bin mein Tempo nach oben getreten. Nur alle anderen sind irgendwie viel schneller den Berg hoch gebrettert. Oben angekommen, ging es in eine erste schöne Abfahrt mit tollen Trails. Wie immer ging es viel schneller runter wie hoch, so dass dann auch schon der zweite Anstieg mit weiteren 700 Höhenmetern wartete. Bei diesem Anstieg kamen die berüchtigten steilen Betonrampen. Ich hatte nun die Herausforderung, dass ich, um hochzukommen, für mich deutlich zu hohe Wattwerte treten musste.
Bei km 26 hatte mich von hinten Henri Lesewitz angesprochen, ob es hier bei Coffee & Chainrings auch einen leckeren Kaffee gäbe? Wir sind dann ein paar Minuten gemeinsam weiter gefahren und ich meinte zu ihm, dass, wenn ich ihn sähe, ich immer an sein Video „Ein langer Samstag“ denken müsste. Henri hat bei seiner ersten Teilnahme bei der Salzkammergut Trophy 2012 ein Video gedreht. Ich finde es ist einfach ein Klassiker und kann es jedem nur empfehlen. Er meinte dann zu mir, dass dies ein fieses Ding damals war, da er ohne Tacho unterwegs gewesen wäre. Er meinte nach einigen Stunden, er wähnte sich schon in Zielnähe – er habe dann einen anderen Teilnehmer gefragt, wie weit es noch wäre und dabei kam heraus, dass er erst die ersten 80 km geschafft und noch weitere 125 Kilometer vor sich habe. Das sei eine schmerzhafte Erfahrung für ihn gewesen. Diese außergewöhnliche Erfahrung konnte ich im letzten Jahr bei der Salzkammergut mit einigen Vereinsmitglieder ebenfalls machen – wie das halt so ist, wenn sich eine Strecke zieht und zieht.
Dann musste ich Henri fahren lassen, da sein Tempo nicht mein Tempo war. Da die steilen Dinger immer und immer wieder kamen, hat es mir auf den folgenden 15 km und dem weiteren dritten Anstieg komplett den Stecker gezogen. Irgendwie passte auf einmal nichts mehr zusammen. Ich konnte mich nicht mehr so konsequent verpflegen, hatte Magenprobleme und erste Krämpfe waren auch schon im Anmarsch. So hatte ich mir das Rennen nicht vorgestellt. Ich wusste auch auf einmal, warum die Ronda Extrema diesen Namen trägt. Extreme Anstiege und zwischendurch extreme Abfahrten, so dass ich dann auch noch bergab schieben musste.
Aber wie immer: Aufgeben ist keine Option und im Ziel wartet meine Frau auf mich. Also immer weiter, Kilometer für Kilometer, Höhenmeter für Höhenmeter. An mehreren Stellen haben sich die Strecken geteilt: An der ersten großen Teilung auf einer Wiese stand kein Streckenposten, so dass einige Fahrer der mittleren Runde auf die lange Strecke abgebogen sind und dies teilweise erste mehrere Kilometer weiter später feststellten, dass sie falsch waren. Es stellt sich die Frage: Muss der Athlet darauf achten, oder sollte der Veranstalter einen Streckenposten an solchen Stellen vor Ort positionieren? Nach meiner Meinung sollte der Veranstalter dies besser organisieren, um es den Athleten zu erleichtern, den korrekten Weg zu finden. Es ist ärgerlich, wenn man aus diesem Grunde falsch abbiegt und es erst mehrere Kilometer weiter oben im Berg merkt.
Durchbeißen bis ins Ziel
Irgendwann kam endlich der höchste Punkt bei ca. 1.500 Höhenmetern. Das war etwa nach der Hälfte der Strecke. Mein Navi meinte, es wären immer noch weitere 1.200 Höhenmeter bis ins Ziel. Ich hatte vor Augen, dass die zweite Hälfte entspannter und viel bergab ginge. Das war natürlich nicht so und bei meinem Zustand fühlten sich alle weiteren Anstiege steiler und länger an. Bei km 62 kam dann der letzte längere Anstieg mit nochmals weiteren 400 Höhenmeter am Stück. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich wieder etwas erholt, so dass ich zwar langsam, aber stetig nach oben fahren konnte.
Nun dachte ich, dass ich das Schlimmste hinter mir habe und gemütlich ins Ziel rollen könnte. Pustekuchen, da hatte ich falsch gedacht. Die erste Abfahrt war technisch für mich noch einigermaßen machbar, aber dann kamen ca. 250 Tiefenmeter, die ich komplett schieben musste. Zu diesem Zeitpunkt war dann leider auch noch der Schlussfahrer mit seinem Enduro hinter mir. Meine Frau wartete schon sehnsüchtig im Ziel auf mich und hatte mich über das Handy verfolgt. Sie war dann bei Datasport und erkundigte sich nach mir. Dort bekam sie die Auskunft, ich sei noch im Rennen – aber aufgeben wolle ich nicht. Tja, aufgeben war auch nie eine Option für mich.
Nach dem fürchterlichem Schiebestück wurde es endlich wieder fahrbar. Ich wusste, jetzt kann ich nach Riva runter ins Ziel rollen. Als ich dann endlich voller Freude auf die Zielgerade eingebogen bin, wurde ich enttäuscht, da der Veranstalter tatsächlich bereits begonnen hatte, alles abzubauen. Ich musste um die Absperrgitter herum fahren, um überhaupt die Ziellinie überqueren zu können. Nach einer Rennzeit von 8:53 Stunden stellt man sich das irgendwie anders vor. Unabhängig von mir, erwarte ich vom Veranstalter für alle Teilnehmer, die ein Rennen beenden, Respekt vor der erbrachten Leistung, ansonsten sollen die Zeitlimits entsprechend gesetzt und eingehalten werden.
Mein Lichtblick war meine Frau, die lange auf mich warten musste, den ganzen Tag mitfiebert hat und mich voller Stolz und Freude im Ziel empfangen hat. Sie hat mich wieder während dem Rennen mit über 120 SMS motiviert, Schmerzen vergessen lassen und zum Lachen gebracht. Einen herzlichen Dank für die wundervolle Unterstützung. Nach dem Rennen haben wir uns dann beim besten Italiener Bella Napoli eine große, sensationell leckere Pizza gegönnt.
Fazit
Die Ronda Extrema war für mich an diesem Tag doch etwas zu extrem. Sowohl bergauf, als auch teilweise bergab. Ich kann nun dieses Event von meiner Bucket List abhaken. Ich bin mir heute schon sicher, dass ich bei diesem Rennen nicht nochmals auf die lange Distanz gehen werde. Aber wir werden sicherlich wieder an den Gardasee fahren, um dort einen tollen Urlaub zu geniessen.





