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Am 12. April um 11:53h stehe ich an der Startlinie des Halbmarathon Hannover. 8 Monate Vorbereitung liegen hinter mir, um die nicht ans Laufen gewöhnte Muskulatur und den Bandapparat an die 21,1 km heranzuführen. Kurze, knackige Läufe mit Tempo wechselten sich ab mit längeren Einheiten in moderatem Rhythmus. Zwei Vorbereitungswettkämpfe über 6,5 km und 10 km mit starken Zwischenergebnissen. Und dann, gegen Ende des Trainings, der lange 17er – der mehr Zweifel säte als Vertrauen ins eigene Leistungsvermögen.

Doch jetzt zählt nur dieser Moment.

Ich stehe zwischen 34.000 weiteren Läufern am Start. Die Stadt ist proppenvoll, überall Menschen. 250.000 Zuschauer sollen es sein. Ich bin überfordert. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es ist schön, aber auch ungewohnt, von derartig vielen Menschen angejubelt zu werden.

Zurück zum Start. Die Streckensprecher heizen ein. Kennt man.

Dann geht es los.

Ich habe mich weit vorne einsortiert, um nicht im Verkehr steckenzubleiben. Die ersten Schritte fühlen sich gut an. Locker. Rund. Erster Kilometer: 5:14 min/km. Zweiter Kilometer: 5:11 min/km. Zu schnell. Ich tappe genau in die klassische Falle. Zu schnell gestartet, später bezahlt man dafür. Also Tempo raus. 5:20 bis 5:30 min/km. Kontrolle. Ruhig bleiben. Auf einer Welle Adrenalin vorwärts.

Rechts und links ein Meer aus Menschen. Jubel. Schilder. Stimmen. Ich will mich fokussieren. Nur auf mich. Es gelingt mir nicht. Die Menge zieht mich hinein. Ein Tunnel aus Lärm, Anfeuerung, Energie. Ich klatsche Hände, immer wieder. Lasse mich treiben, obwohl ich es besser weiß. Dudelsackpfeifer, Trommler, DJs. Überall Klang, überall Leben.

Thomas, achte auf deine Pace. Bleib cool.

An den Verpflegungsstellen Wasser. Kleine Schlucke. Bei Kilometer 9 das erste Gel. Ich scanne meinen Körper. Oberschenkel? Ruhig. Alles gut. Doch da ist dieser Gedanke. Hartnäckig. Kilometer 17. Der Punkt, an dem ich im Training fast stehen geblieben wäre. Respekt. Kein Zweifel. Ich halte mich bewusst zurück, spare Körner. Will am Ende nicht einbrechen.

Kilometer 15. Zweites Gel. Koffein. Und plötzlich verändert sich etwas. Die Beine finden ihren Rhythmus. Es läuft. 5:10 min/km. Dann 5:00 min/km. Ich werde schneller, Schritt für Schritt.

Die letzten zwei Kilometer in 4:50 min/km. Es wäre noch mehr gegangen. Wenn nicht der Slalom. Wenn nicht das Ausbremsen. Aber es bleibt kontrolliert. Stabil.

Dann ist es vorbei.

Ich habe mein Ziel klar unterboten. 1:59:59 h war die Marke. Im Ziel: 1:53:55 h. Durchschnittspace 5:21 min/km. Zufriedenheit. Und sofort die leise Frage: Was wäre noch gegangen? Mit der Antwort beschäftige ich mich später in der Analyse. Jetzt werde ich das Erlebte erstmal genießen und verarbeiten.

Was nehme ich mit?

Dieses Gefühl, als Sportler willkommen zu sein. Getragen von den Zuschauern. Das ist neu. Und es ist stark. Als Mountainbiker kenne ich das anders. Weniger Publikum, oft sogar Ablehnung. Ein Sport, der nicht immer auf Verständnis stößt. Zuschauer meist nur im engsten Kreis.

Hier ist alles anders. Ein Stadtlauf wie der Marathon/Halbmarathon Hannover lebt von dieser Energie. Von Menschen, die tragen, pushen, feiern. Und genau das kommt an.

Für mich steht fest: Das war nicht mein letzter großer Stadtlauf.

Aber jetzt richtet sich der Blick wieder nach vorn. Auf die kommenden Radsportevents.

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