Schlagwörter:

Das war mein Statement nach der Zieldurchfahrt im letzten Jahr oben auf der Planai, nach dem erfolgreichen, aber schweren Bergzeitfahren zum Abschluss der ATT. Am 18.06.2026 stehe ich nun doch wieder an der Startlinie der Alpentour Trophy. Einmal mehr mit meinem Teampartner „Mr. Wade aka Bergelefant“, wie es in seinem Strava-Profil steht – wir sind ein eingespieltes Team und starten bei der ATT erstmals als Duo.

Warum stehe ich also trotz meines Statements ein Jahr zuvor wieder in Schladming und lasse mich von der heißen Sonne grillen, die Oberschenkel von den langen, zehrenden Anstiegen malträtieren und die Arme in den Bikepark-Abfahrten bis an die Schmerzgrenze durchschütteln? Bis die Hände kaum noch den Lenker halten können und die Bremsen um Gnade quietschen?

Vielleicht liegt es daran, dass meine Familie Schladming als einen ihrer liebsten Urlaubsorte auserkoren hat.

Vielleicht liegt es an der Freundschaft zu Thomas aka Mr. Wade, der im letzten Jahr unglücklich aus dem Zeitlimit gefallen ist und noch eine Rechnung offen hatte. Eine Rechnung, bei der ich ihn gerne unterstützen möchte. Vielleicht liegt es an der Herausforderung, mit ihm gemeinsam als Duo zu bestehen und eine unglaublich intensive Zeit miteinander zu verbringen, obwohl unsere Leistungsfähigkeit inzwischen doch ziemlich heterogen geworden ist.

Vielleicht liegt es daran, dass mein Bruder Axel ebenfalls teilnimmt und wir als Brüder eine gute Zeit erleben werden. Vielleicht daran, dass Coffee & Chainrings, mein Verein, mit einem großen Team startet und wir als Mannschaft unglaubliche Dinge erleben werden. Auf und auch abseits der Strecke.

Vielleicht auch daran, dass ich mit Mark (mit K) seit etwa sechs Monaten einen Debütanten im Coaching habe, der sich als Einsteiger erstmals an einem Etappenrennen in den Alpen versucht.

Und vielleicht auch einfach daran, dass ich doch noch nicht fertig mit der Alpentour Trophy in Schladming bin. Die liebenswerte steirische Sturheit der Einheimischen gefällt mir besonders. Vielleicht auch, weil ich ihre eher poltrige Art aufgrund des Dialekts verbal manchmal gar nicht richtig verstehe.

Etappe 1: Hauser Kaibling

Nun stehen wir am Start der ersten Etappe. Das Dach der ATT wartet bereits an Tag eins und gleichzeitig der längste zusammenhängende Anstieg mit etwa 1.300 Höhenmetern.

Mr. Wade schindet sich, ich pedaliere flott um ihn herum und versuche ihn zu motivieren. Wir kommen oben an, gehen in die lange Abfahrt, dann wartet noch der letzte kleine Gegenanstieg und die Bikepark-Abfahrt. Fertig. Tag 1 eingetütet.

Wir versammeln uns in unserem Pit. Der Veranstalter hat uns im Zielbereich einen Platz zur Verfügung gestellt, an dem wir unseren Pavillon mit Liegestühlen und Sitzgelegenheiten aufbauen können. Damit haben wir eine zentrale Anlaufstelle nur für uns und können die Etappen gemeinsam mit dem gesamten Team ausklingen lassen.

Etappe 2: Die Königsetappe zum Dachstein

Mit Etappe 2 wartet dann auch schon die Königsetappe zum Dachstein auf uns. Mr. Wades Schicksalsetappe aus dem letzten Jahr. In Pichl an der Verpflegung liegt die Cut-off-Stelle. Wir haben über eineinhalb Stunden Karenz und liegen damit deutlich vor der Zeit. Keine Gefahr, ins Zeitlimit zu laufen.

Der zweite Teil der Etappe wartet. Wir pumpen uns die steilen Skipisten und Wiesenanstiege in sengender Hitze hinauf und erreichen erfolgreich das Ziel. Es war fordernd, heiß und zwischendurch hatte ich aufgrund der Hitze etwas Kreislauf. Aber alles ist gut gegangen.

Ab ins Pit und anschließend schnell in den Eisbach auf dem Bauernhof. Frida und ich hatten ihn extra zu diesem Zweck aufgestaut, damit wir nach den Etappen die Beine kühlen können.

Etappe 3: Reiteralm

Eine sehr schöne Etappe, allerdings mit sehr langen Anstiegen ohne Schatten in der Hitze. Ich muss Thomas mächtig pushen, sonst hätten wir das Zeitlimit oben nicht geschafft. Vier Minuten lagen wir am Ende vor dem Limit.

An der Verpflegung frage ich nach Coca-Cola. Die nette Dame verweigert mir, die Cola in meine vorgehaltene Trinkflasche zu füllen, die Cola sei zum Trinken da. Ich entgegne ihr, dass ich die Cola trinken möchte. Ja, aber nicht aus der Trinkflasche. Sie füllt mir die Cola in einen Plastikbecher und gibt ihn mir. Ich fülle vor ihren Augen die Cola aus dem Becher in meine Flasche. Sie versteht die Welt nicht mehr. Ich fülle die Flasche mit Wasser auf, nehme einen großen Schluck und bedanke mich.

Weiter geht’s. Rasante Abfahrt, zwei weitere Anstiege, Bikepark und Ziel.

Thomas ist gar. Ich bin es auch. Uns war beiden absolut bewusst, dass wir leistungstechnisch inzwischen ziemlich weit auseinanderliegen. Trotzdem haben wir uns bewusst für eine gemeinsame Teilnahme als Team entschieden. Eine besondere Herausforderung für uns beide. Thomas musste immer wieder etwas über seine Verhältnisse fahren und ich musste mich reduzieren und ihn unterstützen.

Das Learning für mich: Dadurch habe ich mich selbst ebenfalls sehr stark verausgabt. Allein die Tatsache, dass ich nicht meinen eigenen Rhythmus fahren konnte, immer wieder warten musste, ihn auch mal anschob und letztlich deutlich länger unterwegs war als in den Jahren zuvor als Solostarter, hat meine Energiereserven ordentlich gefordert. Nach den drei Etappen war ich ebenfalls ziemlich kaputt.

Etappe 4: Bergzeitfahren

Eine ganz besondere Herausforderung. Im Team nochmals spektakulärer. Die Regeln der Duo-Kategorie besagen, dass zwischen beiden Teilnehmern nicht mehr als zwei Minuten Abstand liegen dürfen. Sonst drohen Zeitstrafen.

Wir stehen pünktlich um 09:39:40 Uhr am Start unseres Zeitfahrens. Direkt vor dem Kampfrichter. Und er ruft uns nicht auf. Wir werden übersehen.

Was ist da los? Wir sprechen ihn an. Er hat keine Zeit für uns, ruft munter weitere Teams namentlich auf und schickt sie auf die Strecke. Streng nach Zeitplan.

Nächster Versuch. In typischer steirischer Manier werden wir kurz abgekanzelt.

Dritter Versuch. Erfolgreich. Wir werden als letzte der Zweierteams gestartet. Direkt vor Imke, die als erste der Solo-Damenwertung auf die Strecke geht.

Leicht gestresst und mit ordentlich Adrenalin im Körper fahren wir in die Talbachklamm bergauf. Bereits am etwas steileren Einstieg reißt Thomas ab. Er wirkt schon jetzt ziemlich kraftlos. Ich warte und wir fahren gemeinsam die nächsten etwas flacheren Kilometer, bis es wieder steil wird. Wir fahren beide unseren Rhythmus und ab und zu halte ich an, um zu warten.

Thomas quält sich. Ich sehe ihm an, dass er alles Erdenkliche aus sich herausquetscht. Ich motiviere ihn, als es ab der Mittelstation in die zweite, sehr steile Hälfte des Zeitfahrens geht. Der dort zu fahrende Trail ist unglaublich steil. Viele müssen schieben.

Oben, etwa 300 Meter vor dem Ziel, gelangen wir wieder auf den Schotterweg, der sich steil und rutschig ins Ziel windet. Thomas und ich fahren unmittelbar nebeneinander gemeinsam bis ins Ziel. Wir sind als Team gestartet und wir sind als Team gefinished.

Danke, mein Freund, für diese tollen vier Tage. Es gibt nur einen, der sich so quälen kann wie Du!

Oben wartet bereits die gesamte Coffee & Chainrings Crew. Die Fahrer, Vereinsmitglieder, Gastfahrer, Begleiter, Angehörige, Freunde und alle, die wir im Laufe der Zeit kennengelernt haben. Wir freuen uns gemeinsam und feiern anschließend ein großes Fest auf der Schafalm. Wir hatten eine großartige Zeit miteinander bei der ATT 2026.

Coffee & Chainrings: Wir sind ein Team. Wir sind ein Wir!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert