… und bekam die totale Verunsicherung
Aber von vorn.
Der Halbmarathon in Hannover rückt näher. Noch knapp zwei Wochen – Zeit für einen Blick auf den aktuellen Trainingsstand. Grundsätzlich bin ich niemand, der sich vor großen Vorhaben eine Platte macht. Natürlich denke ich über Ziele nach, gleiche Erwartungen mit der Realität ab. Bisher hat das gut funktioniert. Über die Jahre hat sich ein solider Erfahrungsschatz aufgebaut – zumindest auf dem Rad.
Beim Laufen sieht das etwas anders aus. Erfahrung ist da, aber längst nicht in der Tiefe wie beim Radfahren. Was ich aus dem Training klar mitnehme: Mein Motor ist stark. Ausdauernd, effizient, belastbar. Die vielen Stunden auf dem Rad zahlen sich aus. Fürs Laufen ist das ein Vorteil, weil die grundlegenden Systeme bereits gut funktionieren.
Nur: Das Fahrwerk hinkt hinterher.
Die Beinmuskulatur ist die Schwachstelle. Nicht in der Kraft an sich, sondern in der spezifischen Belastbarkeit fürs Laufen. Spätestens ab etwa 15 Kilometern melden sich die Oberschenkel deutlich. Die vielen Stoßbelastungen führen dazu, dass sie verhärten und anfangen zu verkrampfen. Keine neue Erkenntnis – aber eine, die man gezielt bearbeiten muss. Im klassischen Halbmarathon-Training gehören deshalb auch längere Läufe über 17 bis 18 Kilometer dazu, um den Körper an die Distanz zu gewöhnen.
Genau so ein Lauf stand Ende März an, etwa drei Wochen vor dem Wettkampf. Die Ausgangslage war gut: erholt, solide trainiert, mit frischen Beinen aus dem Radtrainingslager auf Mallorca. Mein Ziel für den Wettkampf ist klar: sub 2 Stunden. Das entspricht etwa 5:40 min/km. Also setzte ich genau dort an. Die ersten 10 Kilometer lief ich sauber in dieser Pace. Es fühlte sich leicht an, fast spielerisch. Ruhige Atmung, lockerer Schritt – alles im grünen Bereich. Zwischen Kilometer 10 und 15 zog ich das Tempo an auf etwa 5:10 min/km. Kontrolliert, nicht am Limit. Auch das funktionierte. Dann noch zwei Kilometer auslaufen – so der Plan. Und genau hier begann das Problem.
Statt mir Sicherheit zu geben, hat mich dieser Lauf verunsichert.
Nach Kilometer 15 nahm ich Tempo raus – und lief gefühlt gegen eine Wand. Von einem Schritt auf den nächsten machten die Oberschenkel dicht. Hart, schwer, blockiert. Es fühlte sich an, als würde ich stehen. Gefühlt schleppte ich mich mit letzter Kraft nach Hause.
Am Ende standen 16,92 Kilometer in 1:33 Stunden auf der Uhr. Objektiv ein guter Lauf. Subjektiv ein kleiner Dämpfer. Denn das Gefühl auf den letzten beiden Kilometern lässt Zweifel aufkommen: Hätte ich wirklich noch vier weitere Kilometer im Wettkampf durchgestanden?
Also rein in die Analyse.
Beim genaueren Blick zeigt sich, dass ich die letzten Kilometer gar nicht eingebrochen bin. Ich lief weiterhin knapp über Racepace. Das Problem war weniger die Geschwindigkeit als das Gefühl. Dazu kommt: Ich hatte keinerlei Verpflegung dabei. Mit Flüssigkeit und ein bis zwei Gels dürfte die Energieversorgung im Wettkampf deutlich stabiler sein. Und: Wettkampf ist Wettkampf. Der Fokus ist ein anderer. Erfahrungsgemäß geht dort immer ein bisschen mehr als im Training.

Auch die Rückmeldung vom Trainer bringt Ruhe rein: Alles im Rahmen. Für den ersten längeren Lauf habe ich leicht überzogen. Die harten Oberschenkel sind eine logische Reaktion auf die Belastung – vor allem in Kombination mit der Tempodrosselung.
Der Motor passt. Am Fahrwerk wird gearbeitet. Die nächsten Einheiten setzen genau dort an. Läufe mit Vorermüdung stehen auf dem Plan: erst 60 bis 90 Minuten Radfahren, danach 5 bis 8 Kilometer laufen. Zusätzlich kommen plyometrische Übungen dazu, um die Belastungsverträglichkeit zu verbessern.
Es läuft also nach Plan.
Dumm nur, dass mich ausgerechnet jetzt noch eine Erkältung erwischt hat…
