Mittwoch. Intervalltraining. Nach etwa 20 Minuten war plötzlich Schluss. Kein schleichender Einbruch, keine Warnzeichen – eher ein innerer Stecker, der gezogen wurde. Von jetzt auf gleich ging nichts mehr. Seitdem komme ich nicht so richtig auf die Beine. Und wieder taucht diese Frage auf: Was ist diesmal falsch gelaufen?

App-Logik versus Körperrealität

Was mich zunehmend irritiert: Die Erholungseinschätzung in der Trainings-App und die realistischen Werte meiner Uhr liegen weit auseinander. Während die App signalisiert, dass alles im grünen Bereich sei, zeigen Body Battery, Schlafdaten und mein subjektives Empfinden etwas völlig anderes.

Ich bin dauermüde. Erschöpft. Meine Body Battery reicht gerade so, um durch den Arbeitstag zu kommen – mehr nicht.

Und trotzdem meldet sich dieser alte Gedanke: Trainier trotzdem. Danach geht es dir besser. Spoiler: Ja, kurzfristig vielleicht. Langfristig eher nicht.

Wenn „Durchziehen“ zum Fehler wird

Am Samstag habe ich mich dennoch aufgerafft. 2 Stunden und 15 Minuten draußen auf dem Rad. Ruhig, gleichmäßig, so, wie es sich gut angefühlt hat. Laut JOIN zu intensiv für Grundlage. Objektiv weit weg von Schwellentraining. Am Sonntag dann: nichts mehr. Schlechter Schlaf, niedrige Body Battery am Morgen, permanenter Hunger.

Moment mal.

Wenn die Puzzleteile plötzlich zusammenpassen

Also alle Daten gesammelt: Leistungswerte, Screenshots, Schlaf, Belastung. Meinen KI-Freund „Charly“ mal befragt – und er war erstaunlich eindeutig (und bestätigte somit meinen Verdacht): Überlastung des vegetativen Nervensystems.

Und plötzlich ergibt vieles Sinn:

  • Training trotz Erschöpfung → Fehler
  • Nüchterntraining → Fehler
  • Unregelmäßiges Essen → Fehler
  • Kohlenhydrate reduzieren, obwohl Belastung hoch ist → Fehler

Vor allem in Kombination. Was sich kurzfristig oft wie mentale Stärke anfühlt, hält den Körper langfristig im Alarmzustand. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel sorgt nicht für bessere Anpassung, sondern für genau das Gegenteil: schlechtere Regeneration, anhaltende Müdigkeit und zunehmende Erschöpfung. Das vegetative Nervensystem bleibt in Bereitschaft – Erholung findet kaum statt.

Auch der Cortisolspiegel spielt bei mir offenbar wieder eine Rolle. In Verbindung mit dem vegetativen Nervensystem zeigt sich erneut, wie schnell mein Körper bei anhaltender Belastung in den Alarmmodus rutscht – nicht neu, aber diesmal sehr deutlich spürbar. Die Fähigkeit zur Regulation scheint dann schneller eingeschränkt, als es mir im Trainingsalltag bewusst ist.

Zwei Tage später: Regulation statt Reiz

Zwei Tage viel Schlaf. Niedrige Intensitäten. Bewusstes, ausreichendes Essen. Und siehe da: Der Elan kommt zurück.

Heute stand konsequent nur ein 60-minütiger Recovery Ride auf der Rolle an. Nasenatmung, kein Druck, kein inneres Antreiben. Nicht mehr machen – sondern das Richtige. Und essen ohne schlechtes Gewissen macht ja auch Spaß.

Wieder am Anfang? Nein. Weiter als früher. Es fühlt sich kurz so an, als wäre ich wieder am Anfang. Aber das stimmt nicht. Der Unterschied zu früher: Ich erkenne die Signale früher. Ich verstehe sie besser. Und ich kann gegensteuern, bevor es richtig knallt.

Die offene Frage bleibt dennoch: Trainings-App oder Trainer? Algorithmus oder Mensch? Oder eine Kombination aus beidem? Diese Entscheidung steht an.

Mein aktuelles Fazit

Es war ein Crash. Aber kein Totalausfall. Eher ein klares Signal meines Körpers, dass Leistungsentwicklung nicht über ständige Belastung funktioniert – schon gar nicht unter Alltagsstress, hormonellen Veränderungen und eingeschränkter Regeneration.

Ich bin gespannt, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden und welche Erkenntnisse ein neuer FTP-Test liefern wird. Ob das, was sich langsam wieder gut anfühlt, sich auch in Zahlen widerspiegelt – und welchen Weg ich für meine Trainingssteuerung künftig einschlagen werde.

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