Die Ziele für 2026 sind gesteckt, die Motivation hoch
Der Müßiggang ist vorbei. Die Völlerei der Feiertage hat ihre Spuren hinterlassen und nun endgültig ihren Hut genommen. Die Besinnlichkeit liegt im Rückspiegel, der Blick ist fest nach vorn gerichtet. Dort buhlen Anmeldeportale um das hart erarbeitete Geld unserer Konten, während Trainingsapps mit großen Versprechen winken. Sie protzen mit angeblich maßgeschneiderten Methoden für Ü50, warnen mit erhobenem Zeigefinger vor fatalen Trainingsfehlern und versprechen gleichzeitig den Turbo zum Traumkörper. Schnell, effizient, narrensicher. Am Ende geht es immer um dasselbe Ziel: einen starken, gesunden Körper.
2025 war meine persönliche Götterdämmerung. Ein Jahr voller Höhenflüge, Abstürze und Herausforderungen, die mich an die Grenzen brachten. Nach dieser leicht überambitionierten, fast zerstörerischen Saison und dem Kampf um diverse Meilensteine erhebt sich nun ein stärkerer, klügerer – und vorsichtigerer – Athlet.
Ich sitze vor einem Zettel. Darauf notiert: meine sportlichen Träume für 2026. Herausfordernd, ein wenig abenteuerlich, mit diesem vertrauten Kribbeln zwischen Vorfreude und leiser Selbstwarnung. Dieses Jahr soll anders werden. Nicht weniger intensiv, aber bewusster. Nicht zahmer, sondern klüger. Am Ende der Saison möchte ich nicht leer sein, sondern satt vor Erlebnissen. Nicht ausgebrannt, sondern warm. Mit Glut unter der Asche, nicht mit kalter Müdigkeit in den Beinen.
Und natürlich zählt für mich nicht nur die eigene Startnummer. Das Erlebnis innerhalb unserer Coffee & Chainrings Community ist ein wesentlicher Teil meines Sports. Ich wünsche mir das ein oder andere gemeinsame Event, bei dem wir nicht nur teilnehmen, sondern sichtbar sind. Ein farbenfroher Haufen in unseren bunten Trikots, vereint durch Schweiß, Staub und dieses stille Verständnis, warum wir das alles tun. Momente, in denen wir gemeinsam hinter der Ziellinie liegen. Erschöpft, leergefahren, glücklich. Wo Worte erst einmal fehlen und dann langsam zurückkehren, während wir das Erlebte sortieren. Denn genau dort entfaltet unser Sport seine eigentliche Magie. Nicht im Ergebnis, sondern im Verstehen danach. Im Austausch. Im gegenseitigen Schulterklopfen. In Blicken, die mehr sagen als Zahlen auf einer Uhr. In der Anerkennung innerhalb der Gemeinschaft. Das ist es, was bleibt, wenn der Puls sich beruhigt. Und genau dafür lohnt sich jede Vorbereitung.
Zurück zum Zettel: Aus der Götterdämmerung von 2025 erwächst 2026 wie ein neuer Tag voller Herausforderungen, Abenteuer und gemeinsamer Erlebnisse – bereit, erlebt zu werden, bewusst und mit Freude.
1. Trainingsauftakt in Südtirol
Der Startschuss fällt im Januar. Ein einwöchiges Trainingslager in Südtirol soll der Auftakt sein. Lange Anstiege, ruhige Einheiten in der Höhe, kalte klare Luft und hoffentlich mehr Asphalt als Schnee. Rund zehn Stunden Radtraining sind geplant, flankiert von Wanderungen und Yoga. Belastung und Balance. Arbeiten und atmen. Ein Auftakt ohne Hektik, aber mit Substanz.
2. Trainingslager auf Mallorca
Im März geht es weiter auf bekanntes Terrain. Mallorca. Die wohl schönste Radfahrerinsel der Welt. Eine Woche Grundlagenarbeit, Kurbelumdrehungen sammeln, Sonne tanken, Kilometer anhäufen. Kein Spektakel, sondern solides Handwerk. Axel, Marcus und Jens sind dabei. Allein das macht es schon zu mehr als nur Training.
3. Halbmarathon Hannover
Der erste echte Formtest folgt im April. Und überraschenderweise nicht auf zwei Rädern. Am 12.04.26 steht der Halbmarathon in Hannover an. Zu Fuß, per pedes, ohne Sattel unterm Hintern. Der Abschluss meines bewusst initiierten Lauftrainings. Ich bin ehrlich gespannt, was dabei herauskommt und wie sich der Körper jenseits des Sattels schlägt.
4. Tour d’Energie – Tradition verpflichtet
Axel und ich stehen auch dieses Jahr wieder gemeinsam in Göttingen an der Startlinie der 100-Kilometer-Strecke. Die Tour d’Energie ist fest in unserem Kalender verankert. Schön, fordernd, aber nie zerstörerisch. Genau richtig. Eine perfekte Standortbestimmung, bevor die Saison Fahrt aufnimmt. Und falls sich hier Schwächen zeigen: Noch bleibt genug Zeit, an den Stellschrauben zu drehen.
5. Rally di Romagna
Eigentlich war alles anders geplant. Gravel Peaks, neues Terrain, brüderliches Jahreshighlight. Hotels gebucht, Material vorbereitet, Vorfreude groß. Dann die Absage durch den Veranstalter… Die Wahl fällt nun auf die Rally di Romagna Ende Mai, Anfang Juni. Ein fünftägiges MTB-Etappenrennen südlich des Gardasees. Ich habe viel Gutes gehört! Streckendaten moderat, Logistik angenehm, da alles von einem Ort aus startet. Dazu weitere Starter aus der Coffee & Chainrings Community. Ein neues Event, ein neues Abenteuer. Genau richtig.
6. Alpentour Trophy
Und dann… ja dann tappe ich doch wieder in alte Muster. Nur etwa zwei Wochen nach der Romagna stehe ich bei der Alpentour Trophy am Start. Eigentlich in der kurzen Abfolge nicht geplant, aber durch die Terminverschiebungen zwangsläufig. Schladming. Drei Etappen plus Bergzeitfahren. Meine fünfte Teilnahme. Ein Event, das ich mag. Nicht zuletzt, weil die Familie auch diesmal vor Ort Urlaub macht. Ich füge mich gerne. Und Stand jetzt wird es wohl unser teilnehmerstärkstes Coffee & Chainrings Event. Das allein gibt dem Ganzen Gewicht.
7. Ötztaler Radmarathon
Nach der Alpentour ist erst einmal Luft vorgesehen. Im Juli bleibt der Wettkampfkalender bewusst leer, obwohl Zeit und Möglichkeiten da wären. Pause. Sammeln. Denn Ende August wartet vielleicht der Ötztaler. Axel und ich wollen nach 2022 wieder starten. Für mich wäre es die sechste Teilnahme. Ob es dazu kommt, entscheidet das Los. Mitte Februar 2026 werden aus bis zu 25.000 Bewerbern 4.000 Startplätze gezogen. Mehr Hoffnung als Planung. Aber genau das gehört beim Ötzi eben dazu. Wir sind gespannt.
Epilog
Ja, ich sehe es auch. Es ist wieder ein dichter Kalender geworden. Eigentlich wollte ich es nach den Erfahrungen des letzten Jahres anders angehen. Luftiger. Gelassener. Mit mehr Weißraum zwischen den Terminen. 2026 soll nicht zu meinem persönlichen Waterloo werden.
Es lohnt sich der zweite Blick. Die ganz großen Schlachten, die „Meilensteine“, wie ich sie nannte, fehlen. Keine 24 Stunden solo, kein HERO, keine Salzkammergut-Langstrecke. Keine dieser Prüfungen, die schon beim Lesen der Ausschreibung Energie kosten. Stattdessen Bewährtes und Vertrautes. Events, die ich kenne, einschätzen kann. Dazu Neues, ja, aber ohne die zusätzliche Schwere aus endlosen Reisen, Logistik-Marathons oder Ultradistanzen, die mehr zermürben als bereichern.
Es fühlt sich weniger nach Selbstüberforderung an und mehr nach bewusstem Gestalten. Ein Kalender, der fordert, aber nicht frisst. Der reizt, ohne zu verschlingen. Und da ist sie, diese lange Pause über den Sommer. Raum zum Durchatmen. Zum Fahren ohne Startnummer. Zum Erinnern, Resümieren und Kraft tanken.
Wobei… ganz sicher bin ich mir da noch nicht. Diese Sommerlücke wirkt verdächtig offen. Fast schon einladend. So eine Pause entwickelt ja gern ein Eigenleben und flüstert irgendwann: Da ginge doch noch was. Nichts Großes, nichts Episches, kein Leidensfestival mit Urkunde. Eher etwas Charmantes. Spontan.
Schlussendlich ist 2026 kein Waterloo, sondern eher ein klug geplanter Feldzug. Die Götterdämmerung von 2025 liegt hinter mir, die Lektionen sind gelernt. Nun gilt es, die Kämpfe zu wählen, die Freude bringen, die Gemeinschaft stärken und vielleicht, wenn Fortuna gnädig ist, die eine oder andere kleine, unerwartete Schlacht zu schlagen – ohne sich selbst zu verlieren.
