Die Saison 2025 war lang und fordernd. Viel Struktur, viel Fokus, wenig Spielraum. Als sie endete, blieb Demotivation. Keine Lust auf Zahlen. Keine Lust auf Radfahren. Ein für mich unerwarteter Zustand. Ein unbekanntes Gefühl nach einer harten Saison. In den alten Erzählungen folgt auf die Götterdämmerung kein neuer Kampf. Erst wird es still. Ordnung löst sich auf, der Lärm verschwindet. Was bleibt, ist Raum. Raum und Zeit für Orientierung. Beides habe ich gebraucht.

Der Neuanfang 2026 beginnt deshalb nicht mit einem detaillierten Plan, sondern mit Bewegung ohne Druck. Einen groben Rahmen gibt es. Mehr nicht. Ein Auftakt.

Anfang Januar befinde ich mich mit der Familie auf einem Bauernhof in Südtirol. Winterurlaub. Normalerweise bedeutet das Skifahren, Eislaufen, Schneeschuhwandern. Für mich nicht. Mir kommt entgegen, dass die Winter inzwischen mild sind. Schneearm, zumindest abseits der Skigebiete. Ich informiere mich vorab. Unterhalb von etwa 1800 Metern sind die Wege schneefrei. Die Pisten oben sind präpariert, unten liegt der Winter eher im Schatten als auf dem Boden.

Entgegen früherer Entscheidungen lasse ich das bewährte Fatbike zu Hause und nehme das 29er Hardtail mit 2,4er Bereifung. Während meine beiden Mädels oben auf den Pisten unterwegs sind oder auf zugefrorenen Seen auf Schlittschuhen ihre Runden drehen, bekomme ich Zeit. Zeit zum Radfahren. Vier Einheiten, rund zehn Stunden auf dem Bike. Etwa 120 Kilometer, 5000 Höhenmeter. Bei klarem Südtiroler Wetter, Sonne im Gesicht, klirrender Kälte im Schatten. Der Atem dampft, die Finger brauchen Aufmerksamkeit.

Zusätzlich bin ich dreimal zügig mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs, was sich auf über 20 Km aufsummiert. Fast tägliches Yoga vor dem Schlafengehen sorgt für Ausgleich. Die Laufschuhe bleiben ungenutzt. In diesem Gelände habe ich darauf keine Lust.

Ein Radtrainingslager im Januar in Südtirol ist sicher exotisch. Viele zieht es um diese Jahreszeit auf spanische Inseln, wegen Infrastruktur, Wärme, Sonne. Ich habe das selbst oft so gemacht. Rückblickend war dort immer auch ein latenter, innerer Druck. Man will das Maximum herausholen, sieht viele andere Sportler, macht oft mehr, als gut wäre. Das passiert hier nicht. Ich habe keinen einzigen anderen Radfahrer gesehen. Kein Vergleich, kein innerer Zug. Ich war frei in meinen Entscheidungen und konnte meine Trainingszeit in Absprache mit der Familie flexibel gestalten. Es ging mir nicht um Kilometer oder Zeiten. Es ging um einen Einstieg. Um einen Neuanfang. Trotz der Kälte hat mir jede Minute auf dem Bike Spaß gemacht. Wäre mehr möglich gewesen? Sicher. Es hat aber genauso gereicht.

Jetzt sitze ich wieder zu Hause und schreibe voller Zufriedenheit und Zuversicht diese Zeilen. Der nächste Schritt wartet im März auf Mallorca.

Die nach der Götterdämmerung liegende Ruhe habe ich benötigt. Nun folgt Schritt für Schritt der Neubeginn auf welchem sich die Saison 2026 aufbaut.

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