Manchmal geht es eben doch nicht einfach weiter
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man darauf wartet, dass endlich wieder alles so wird wie vorher? Ich habe ziemlich lange darauf gewartet. Auf den einen Moment, an dem man morgens aufsteht und denkt: So, jetzt bin ich wieder die Alte.
Spoiler: So funktioniert das leider nicht.
Nach meinem letzten Beitrag „Zurück im Groove“ war ich mir eigentlich sicher, dass ich wieder auf dem richtigen Weg bin. Das Training machte Spaß, ich fühlte mich stabiler und dachte, das Schlimmste läge hinter mir. Tat es aber nicht.
Es kam noch einmal ein richtiges Tief. Herzrhythmusstörungen, Migräne und eine Erschöpfung, die ich bis dahin so nicht kannte. Ich habe mein Training infrage gestellt. Ehrlich gesagt sogar überlegt, ob ich das Thema Mountainbike-Marathon vielleicht einfach abhaken sollte. Nicht, weil ich keine Lust mehr hatte – sondern weil ich meinem eigenen Körper nicht mehr vertraut habe und es gefühlt nur noch rückwärts statt vorwärts ging.
Heute weiß ich: Es gab nie die eine Ursache. Es waren viele kleine Puzzleteile. Und genau das war wahrscheinlich meine größte Erkenntnis. Ich habe die ganze Zeit nach dem einen Auslöser gesucht. Dabei waren es viele kleine Dinge, die zusammen einfach zu viel geworden waren.
Der langsamste Trainingsplan meines Lebens
Wenn ich heute durch meine Garmin-Historie scrolle, muss ich manchmal selbst schmunzeln. Mein Trainingsplan begann mit Gesundheitswalks nach Herzfrequenz. Klingt irgendwie sportlich. War es aber nicht. Ich bin dabei langsamer gegangen als beim Einkaufen. Ehrlich. Ich musste mich teilweise sogar bremsen, damit meine Uhr nicht anfing zu piepen.
Wer mich kennt, weiß, dass genau das wahrscheinlich die härteste Trainingseinheit der letzten Monate war. Nicht das Gehen. Sondern das Langsamsein. Geduld gehört schließlich nicht unbedingt zu meinen größten Stärken.
Aus den Spaziergängen wurden kleine Gravelrunden, Yoga, Krafttraining, Läufe und irgendwann wieder ganz normales Training. Nicht besonders schnell. Nicht besonders weit. Aber regelmäßig. Und genau das fühlte sich plötzlich richtig gut an.
Unter der Motorhaube
Rückblickend wird mir immer klarer, dass Training nur ein Teil der Geschichte war. Einer meiner Ärzte sagte irgendwann einen Satz, den ich wahrscheinlich nie vergessen werde: „Sie sind im Moment wie ein Porsche auf der Autobahn, der wegen einiger technischer Defekte nur 30 km/h fahren kann.“
Irgendwie traf es das ziemlich gut. Ich wollte die ganze Zeit schneller fahren. Dabei war ich einfach noch nicht repariert.
Zu den doch behandlungswürdigen Blutwerten wie Eisen und vielen anderen Mikronährstoffen kam, dass die letzten fünf Jahre im sozialen Bereich unglaublich fordernd waren. Wer im sozialen Bereich arbeitet, kennt das vielleicht. Man ist für andere da, trifft Entscheidungen, funktioniert – und merkt oft erst viel zu spät, dass der eigene Akku längst leer ist.
Irgendwann brauchte ich eine Pause. Nicht vom Sport. Sondern vom Funktionieren. Natürlich hatte ich ein schlechtes Gewissen. Meinem Team gegenüber. Meinem Arbeitgeber. Den Familien. Wahrscheinlich allen.
Heute sehe ich das anders. Diese Auszeit war kein Rückschritt! Sie war ein wichtiges Puzzleteil, damit es überhaupt wieder nach vorne gehen konnte.
Wechseljahre? Ich? Da muss ein Missverständnis vorliegen …
Vor wenigen Wochen kam noch ein weiteres Puzzleteil dazu: die Hormonersatztherapie. Ich hätte früher wahrscheinlich gesagt: „Ich schwitze eben momentan und muss da durch.“ Heute weiß ich: Das hatte mit „ein bisschen schwitzen“ ungefähr so viel zu tun wie ein Cappuccino mit einem Espresso. Mehrmals täglich komplett klitschnass zu sein, kostet unglaublich viel Energie. Es kostet Schlaf. Es kostet Nerven. Und irgendwann auch ein gutes Stück Lebensqualität.
Seit Beginn der Hormonersatztherapie kehren Energie, Schlaf und Lebensfreude Stück für Stück zurück. Vielleicht liest das gerade die eine oder andere Frau, die sich in diesen Zeilen wiederfindet. Dann möchte ich euch Mut machen, das Thema ernst zu nehmen und offen mit eurer Frauenärztin oder eurem Frauenarzt darüber zu sprechen. Mir persönlich hat dieser Schritt unglaublich geholfen.
Training ist eben manchmal mehr als Watt und Herzfrequenz
Danke auch an Basti von Dymance. Ich bin ziemlich sicher, dass ich in den letzten Monaten den Titel „Athletin mit den meisten Fragezeichen“ gewonnen hätte. Gefühlt bestand jede zweite Nachricht von mir aus: „Ich glaube, ich höre auf.“ Und jede dritte aus: „Meinst du wirklich, das bringt überhaupt noch etwas?“
Unsere Gespräche drehten sich irgendwann längst nicht mehr nur um Watt und Trainingszonen. Manchmal ging es um Schlaf. Manchmal um Arbeit. Manchmal einfach darum, den Kopf wieder ein bisschen zu sortieren. Irgendwann fielen dann auch Begriffe wie Burnout, Midlife-Crisis oder noch ein paar andere Ideen.
Tssss… Ich doch nicht! Dafür bin ich schließlich noch viel zu jung. Genau wie für die Wechseljahre – da muss eindeutig ein Missverständnis vorliegen. Zum Glück konnten wir darüber genauso lachen, wie wir anschließend weitertrainiert haben. Und wahrscheinlich waren genau diese Gespräche manchmal genauso wichtig wie jede Trainingseinheit.
Schladming – ganz ohne Startnummer
Ein ganz besonderer Moment war Schladming. Eigentlich hätte ich gern mit dem Team an der Startlinie gestanden. Dieses Mal stand ich eben nicht selbst dort. Und wisst ihr was? Das war völlig in Ordnung.
Ich war trotzdem ein Teil davon. Und genau das war viel schöner, als zu Hause zu sitzen und darüber nachzudenken, was gerade nicht geht.
Zum ersten Mal bin ich alleine mit der Gondel gefahren. Oben warteten Berge. Sommer. Trails. Herrlich. Ja, der Herzfrequenzalarm meldete sich auch dort noch das eine oder andere Mal. Aber jede einzelne Abfahrt hat mir wieder gezeigt, warum ich diesen Sport so liebe. Und dass es wieder gehen wird. Nicht sofort. Aber es wird.
Ein ehrlicher Rursee-Marathon
Beim Rursee-Marathon stand ich schließlich gemeinsam mit Marc am Start. Ich war langsam. Sehr langsam. Und das war nicht leicht. Aber ich bekam wieder Luft an den Anstiegen. Keine Warnung wegen einer auffälligen Herzfrequenz.
Marc blieb die ganze Zeit an meiner Seite, wenn er nicht gerade oben am Berg wartete, telefonierte oder mal eben Martin ein Stück begleitete… – soo langsam war ich also zeitweise.
Doch nicht die Zeit war an diesem Tag mein Erfolg. Sondern das Gefühl, wieder ein Stück von mir selbst zurückgewonnen zu haben.
Fortsetzung folgt …
Im Moment freue ich mich einfach darüber, wieder Lust und vor allem Kraft fürs Training zu haben.
Wer weiß, an welcher Startlinie Marc und ich in diesem Jahr noch gemeinsam stehen werden. Wir werden euch auf jeden Fall mitnehmen.
Bis dahin sammle ich einfach weiter meine Puzzleteile. Mal sehen, welches als Nächstes dazukommt.




