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Endlich war es soweit, Daniel und ich konnten uns im Coffee & Chainrings Teamwork betätigen. Wir haben uns ein kleines aber feines Event aus gesucht, den Bergspurt in Mönchengladbach. Nicht nur die örtliche Nähe war optimal, sondern auch die Location war schön. Ausserdem hatte sich die Muschi als Starter angesagt, das bringt nochmal zusätzliche Würze. Es sollte von Anfang bis Ende ein tolles Erlebnis werden.

Ready to ride Bergspurt 2016

Nach meinem Achterbahn-Wochenende in Daun und Bad Salzig hatte ich mich grundsätzlich entschloßen das folgende Wochenende sportfrei zu gestalten, da eine Woche später ja schon das 24 Stunden Rennen als Betreuer für Daniel anstand. Aber Daniel ließ seinen ganzen Charm spielen und trumpfte mit der Aussage „Ich hab da Geburtstag und da darf ich mir das wünschen“! Er startete beim Bergspurt auf jeden Fall, da er es als letzte Belastung vor dem 24h Rennen geplant hatte. Als ich von meiner Familie dann noch die Freigabe für den Sonntag bekam, hatte ich keine Ausrede mehr und wollte auch keine mehr haben. Die Versuchung gemeinsam ein Rennen zu bestreiten war einfach zu groß. So fuhren wir zwar als Einzelstarter gemeldet, aber taktisch fuhren wir als Team.

Knackig rauf, spektakulär wieder runter

Location für den Bergspurt ist der Monte Klamott im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt, ein Trümmerberg aus den Tagen nach dem 2. Weltkrieg, der zusätzlich noch mit Müllresten erhöht wurde und heute, mit reichlich Vegetation bewachsen, als Naherholungsgebiet dient. Wie häufig bei solchen „Hügeln“ führen diverse Wege auf den Gipfel und wieder hinunter. Es ist erstaunlich wie viele unterschiedliche Möglichkeiten es dort gibt, von breitem Schotterweg, über leichte Singletrails bis hin zu Treppen ist alles dabei. Und genau so wurde der Kurs auch gestaltet, den wir insgesamt 26 Mal umrunden sollten.

Direkt nach Start und Ziel ging es in die erste Herausforderung, ein kurzer knackiger Stich mit ca 20% Steigung, nicht lang aber lang genug um Körner zu kosten. Danach ging es auf breiteren Wegen erst etwas bergab und dann stetig und langezogen Berg an bis zum Gipfelplateau. Oben angekommen gab es eine großzügige 180 Grad Kurve, um dann ein Stück parallel zur Auffahrt wieder runter zu fahren. Nach zügiger Abfahrt ging es dann scharf links auf einen Singletrail, an dessen Ende man wiederum scharf rechts in eine bergab Passage fuhr, die richtig Spaß machte. Sie bestand aus einer Serpentinen-Abfahrt gespickt mit reichlich Stufen und Absätzen. Danach ging es flach über Schotter und Wiese zurück zu Start/Ziel. Ein gelungener Kurs mit reichlich Abwechslung.

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Ist die Muschi dabei, wirds pink!

Besonders toll war, dass Mario „Muschi“ Peters dabei war. So konnten sich Daniel und Muschi endlich mal persönlich kennen lernen und ich war auch froh ihn mal wieder zu treffen. Das war dieses Jahr viel zu wenig passiert. Logischer Weise trat er in seinem Focus-Rapiro-Racing Dress an und war damit natürlich unübersehbar! In unserem Vorbericht hatten wir ihn ja schon als Favorit angekündigt, da war die Muschi natürlich sehr froh drüber!

Relaxt vor dem Rennen. Ansgar und Daniel mit der Muschi (c) Muschi
Relaxt vor dem Rennen. Ansgar und Daniel mit der Muschi (c) Muschi

Rennstart mal anders

Da der Bergspurt ein relativ kleines Event mit ca 60 Startern ist, hat der Veranstalter sich für den Start etwas tolles einfallen lassen: einen LeMans-Start! Bei diesem, aus dem Motorsport übernommenen Start, werden die Mountainbikes auf einer Wiese in eine Reihe gelegt und die Fahrer stellen sich in ca 100 Meter Entfernung parallel dazu auf. Nachdem noch etwas Zeit bis zum Start war, wurde noch an den Rädern fachgesimpelt, bzw nur an Muschis Rad, das mit dem neuen Bike-Porn, der SRAM Eagle XX1 1×12 Schaltung ausgestattet war. Schon ein cooles Bild wenn das größte Ritzel die Größe der Bremsscheibe um einiges übertrifft.

Dann war es aber soweit, der Start wurde aufgerufen. Was dann passierte könnt ihr hier in bewegten Bildern anschauen:

Wie man vielleicht sehen kann, bin ich nicht der geübteste „Aufspringer“ aufs Rad, Cyclocross wär gar nicht mein Fall! Jedenfalls konnte ich mich im hinteren Bereich der Spitzengruppe platzieren.

Eine Stunde leiden

Mein Körper hat die schon öfter beschriebene Eigenschaft, eine Initialisierungsphase zu brauchen um in den Rhythmus zu kommen. Diese Phase benannte ich nach den ersten 50 Minuten des Rennes in „Der Fluch des ersten Anstiegs“ um. Nur dass es hier nicht der erste Anstieg war, sondern die erste Stunde, die nötig war, um ihn abzulegen.

Das erste Mal in die kurze Rampe am Start zu fahren, tat unheimlich weh! Da Daniel und ich aber auf jeden Fall unser Teamwork durchführen wollten, setzte ich alles daran in seiner Nähe zu bleiben. Aber es tat verdammt weh und sollte die erste Stunde für mich sehr schwer machen. Das Feld sortierte sich auf der ersten Anfahrt zum Gipfel schön, so dass keiner aufgehalten wurde. Schnell setzte sich eine Spitzengruppe aus drei Fahrern ab, unter anderem auch die Muschi, wie schon erwartet.

Ich hatte mich mittlerweile wieder an Daniels Hinterrad heran gearbeitet, allerdings musste ich dafür zwei Runden lang an meiner Pulsgrenze fahren, das war nicht schön! Die kurzen Erholungsphasen auf dem Singletrail und dem kurzen Downhill waren zu kurz, als dass ich mich wieder erholen konnte. Irgendwann zog auch der letzte starke Fahrer, Marc Gottmanns, an uns vorbei und ich war froh, dass Daniel auf die geplante Taktik nicht zu überpacen zurück ging. In den folgenden Runden konnte ich mich wieder erholen, meine Beine taten aber trotzdem noch weh und es fühlte sich nicht gut an. Trotzdem packte es mich immer wieder und ich zog in dem kurzen Steilstück an. Daniel war aber sofort zur Stelle um mich taktisch wieder einzufangen und schlug vor das Tempo vorzugeben, damit ich mich zurück hielt. Ein guter Plan und gelebtes Teamwork.

Vertauschte Leidens-Rollen

Nach ca 55 Minuten erwachten die Lebensgeister in meinen Beinen, sehr zum Leidwesen von Daniel. Ich fand in meinen starken Rhythmus nach „dem Fluch der ersten Stunde“ und konnte meine Leistung steigern. Ich setzte mich an die vordere Position und versuchte Pace zu machen. Nun kamen zwei Dinge zum Tragen, erstens kenne ich Daniel aus vielen Trainings jetzt schon recht gut und meine sein Verhalten deuten zu können. Ist bei mir die Phase der Initialisierung abgeschloßen, fällt er meistens in eine leistungschwächere Phase. Es gibt Anzeichen dafür: er fährt dann in einer stärker gebeugteren Stellung und ist schlechter aufnahmefähig für Ansagen. Auf meine Nachfrage, ob es noch geht, kam zurück, dass wenn ich so weiter pace, er schnell „totgefahren“ ist. Da kam die zweite Sache ins Spiel, die geplante Taktik, das Rennen im Teamwork zu fahren.

Teamwork vom Feinsten

Jetzt konnte ich mich für seine Führungsarbeit im ersten Renndrittel revangieren und das Gleiche für ihn tun. Also richtete ich meine Aufmerksamkeit jetzt mehr nach hinten und hielt mich zurück, sobald ich sah, dass ich zu schnell war. Diese Phase fand ich Klasse und war beispielhaft für gutes Teamwork. Wir einigten uns, dass Daniel im steilen Anstieg das Tempo vorgab, nicht ganz einfach für mich, da ich in eine relativ niedrige Trittfrequenz musste, die mir nicht ganz so liegt. Am Ende der Steigung konnte ich dann vorbei ziehen und wieder Führungsarbeit leisten, oft fuhren wir auch nebeneinander. Meist bleib ich bis in der Spitzkehre vor dem Downhillstück vorne und in der Spitzkehre fuhr ich die längere Außenspur, so dass Daniel innen vorbei gehen konnte und seine bessere Form im Downhill ausspielen konnte. Um ihm dann wieder zu helfen Kraft zu sparen, ging ich im flachen Stück wieder nach vorne, da hatte ich ein bisschen mehr Druck auf dem Pedal. In der Kurve vor der Rampe ließ ich ihn dann wieder vor. Es war einfach genial!

Den Gegner im Visier

Nach der zweiten Stunde kam Daniels Energie wieder und wir fuhren fast auf gleichem Niveau, ich schwächelte etwas. Eine tolle Eigenschaft der Strecke war, dass sie im oberen Teil auf dem selben Weg hoch und runter führte, nur durch ein Flatterband getrennt. Dadurch konnte man einschätzen wo die Gegener sind und ob man Zeit verlor oder gewann. Anfang der dritten Stunde wurde uns klar, dass der Vorsprung auf den vor uns fahrenden Marc kleiner wurde. Daniel hatte den zeitlichen Überblick und ihm war klar, dass wir relativ konstant unterwegs waren. Also legte er eine Taktik fest, erstmal das Tempo halten und in der letzten halben Stunde attackieren! Gesagt getan, allerdings musste ich immer mehr kämpfen, um an ihm dran zu bleiben, meine Kräfte ließen wirklich nach.

Und dann wollte er im steilsten Stück attackieren, um Marc zu überholen, na toll Daniel, ich kann nicht mehr!! Aber Mimimi gibts nicht, also beissen und hinterher. In der Mitte der Steigung war Daniel mit Marc gleich auf und ich an seinem Hinterrad. Da begann die phsycholgische Kriegsführung: „Du ich hab heute Geburtstag, da kannst Du mich doch vorbei lassen!“ keuchte Daniel Marc zu. Marc erwiederte irgendwas wie: „Ich glaub nicht!“ oder „Denkste!“ genau hab ich es nicht verstanden! Jedenfalls mobilisierte er am Ende der Steigung nochmal Superkräfte und weg war er, der Marc!

Ruhig Blut!

Wir ließen uns aber von unserer Taktik nicht abbringen und fuhren unser, bzw Daniels Tempo, ich war tatsächlich schon an der Leistungsgrenze. Er zog uns unbeirrt den Berg hoch, durch den Downhill und über die windige Ebene. Jetzt war Daniel voll da! Der zweite Angriff im steilen Anstieg war dann erfolgreich und Marc war für den Moment geschlagen. Wir hielten das Tempo hoch, um ein Loch aufzufahren, was auch gut gelang. Bis hinter den Downhill konnte ich Daniel folgen, aber in der Ebene musste ich abreissen lassen, ich war am Ende. Ein Blick zurück gab mir ein bisschen Sicherheit, denn Marc war nicht zu sehen.

In dieser Phase sind wir von der Teamtaktik abgewichen, grundsätzlich hätte Daniel bei mir bleiben müssen und mich „ziehen“ müssen. Mir war aber von Anfang an klar, dass wir für Daniel arbeiten, denn Ziel war es an seinem Geburtstag für ihn die beste Platzierung raus zu holen.

Ich wusste nicht, ob es das letzte Mal sein würde, dass ich die Rampe hoch fuhr, aber es war so hart, ich war kurz vor dem Absteigen. Aber ich hatte immer noch Marc im Hinterkopf und ich wollte diese Position hinter Daniel unbedingt behalten, also biss ich noch einmal die Zähne zusammen und quälte mich hoch. Den langen Anstieg wurde es nicht wesentlich besser, und als ich oben war, sah ich Marc auf der Gegengeraden, er hatte das Loch tatsächlich noch mal kleiner fahren können!

Das ging ja gar nicht! Ich mobilisierte die allerletzte Energie auf dem Singeltrail und im Downhill und fuhr doch nochmal einen Abstand heraus. Glücklicher Weise war das Rennen in dieser Runde zu Ende, ein weitere Attacke von Marc hätte ich nicht abwehren können. Im Ziel fielen Daniel und ich uns in die Arme, wir hatten es geschafft!

Wie immer, das Fazit zum Schluß

Es gilt wie immer Danke zu sagen, Danke an die Veranstalter für ein wirklich tolles Event mit einer knackigen Strecke. Danke an den großen Teil der Hobbyfahrer, die uns kleinem Rudel zügig fahrenden Laktatjunkies immer großzügig und ohne Murren den nötigen Platz zum überholen gelassen haben. Ihr ward Klasse!! Danke auch den Zuschauern, die begeistert angefeuert und mitgefiebert haben!

Danke auch an Marc Gottmanns, der uns trotz seines geschunden Rückens ein tolles Rennen geliefert hat! Ohne Dich wär es nicht so interassnt gewesen, Marc!

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Persönlich möchte ich mich bei Daniel bedanken, er hatte den taktischen Überblick und hat mir besonders in der schweren Anfangsphase den nötigen Antrieb gegeben und im dritten Renndrittel den nötigen Druck aufgebaut um unser Ergebnis zu verbessern.

Ich habe wieder einmal gelernt, dass ich bestimmte Dinge lassen sollte oder diese trainieren sollte, unkontrollierte Energieausbrüche in steilen Anstiegen ist eins davon. Genau wie in Daun, habe ich es einmal in der Rampe übertrieben und unnötig Energie verbraucht und meine Reserven geschädigt. Ich bin mittlerweile in dem Alter in dem man einfach mal locker bleiben sollte, denn mir fehlen die körperlichen und geistigen Attribute einer Muschi, die ohne jeden Trainings oder Ernährungsplan geile Ergebnisse raus fährt. An dieser Stelle übrigens Glückwunsch zum zweiten Platz. Es war mir eine Ehre mal wieder mit Dir die Strecke zu teilen, Mario!

Bleibt noch zu erwähnen, dass ich mein Treppen/Trail-Trauma endgültig überwunden habe. Das geilste an dem ganzen Rennen war, mit Daniel in einem Abstand von nem Meter oder so den Stufendownhill runter zu jagen! Großartig!

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In diesem Sinne, race on, Eure Diva!

Danke an Andrea, Beni und Mario für zur Verfügungstellung der Fotos!

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