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Distanz
90,38 km

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Höhenmeter
2.611 hm

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Level
5/5

BTA2024 Hoehenprofil Etappe 4

Vom Kirchturm in Graun scheint König Ortler unerreichbar weit weg. Und Schwups hat man sich an einem Tag hinter seinen Rücken geschlichen. Etappe 4 ist ein epischer Trip in herausragender Landschaft.

Der Kirchturm von Graun ist eine millionenfach fotografierte Berühmtheit und über die Jahre zum Wahrzeichen der Region rund um den Reschensee geworden. Der ursprüngliche Ort Graun fiel vor 70 Jahren dem Bau des Staudamms zum Opfer, wurde abgerissen und am Ufer des Stausees neu aufgebaut. Nur den Kirchturm wollte man nicht umstoßen und das im See zurückgelassene Relikt erlangte bald Berühmtheit, schon lange bevor es durch die mystisch-düstere Erzählung der Netflix-Serie „Curon“ mit neu gewobener Sagenhaftigkeit umhüllt wurde und der ausgelöste Insta-Hype die Prominenz weiter steigern konnte. Und genau da, vor dieser Filmkulisse, startet die vierte Etappe der BIKE Transalp 2024.

Vermutlich ist dann die Stimmung weniger düster, denn das ist eher ein sonniger Platz am Ufer, an dem Kite-Surfer mit den Winden spielen und Radfahrer den See auf dem Radweg umrunden. Um den See herum bis zum Staudamm und der Gemeinde St. Valentin rollt das Teilnehmerfeld dann erst einmal entspannt los. Und darf noch einen letzten Blick geradeaus zum Gipfel des Ortler erhaschen, dessen riesige weiße Gletscherkappe zeigt, wo es heute lang geht. Erst in St. Valentin geht es in die Berge und das Ziel des ersten Anstiegs ist die Bruggeralm rund 400 Meter über dem See. Hier beginnt die erste Abfahrt zunächst auf Forstwegen, später auf einem rassigen Trail bis Burgeis. Der Radweg würde nun geradewegs weiter über Schleis nach Laatsch bergab führen. Die Strecke hangelt sich aber an der Wesflanke des oberen Vinschgau noch einmal hinauf und spielt mit Forststraßen, Waldwegen und Trails bis in Laatsch auf rund 1000 Meter Höhe der tiefste Punkt dieser Etappe erreicht wird.

Nun schwingt sich die Strecke über die Schweizer Grenze ins Münstertal hinauf. Und klettert weiter zur Passhöhe „Döss Radond“ auf 2235 Meter Höhe. Jetzt geht es wieder nach Italien, aber nicht mehr nach Südtirol, sondern in die Lombardei. Die begrüßt die Transalp-Starter mit einem ihrer schönsten Plätze, dem zauberhaften Val Mora, an dessen Talflanke sich der Trail im Auf und Ab hinaus schlängelt. Der macht richtig Spaß, fordert aber auch Aufmerksamkeit, weil im Auf und Ab ständige Gangwechsel gefragt sind. Da lauert die Gefahr, das Bike auch mal ein paar Meter im Wiegetritt und im zu großen Gang hochwuchten zu müssen. Danach schießt bald der Lago San Giacomo di Fraéle ins Blickfeld. Jetzt dürfen sich die Beine etwas entspannen, besonders, wenn die tellerebene Staumauer überquert wird. Sie steht zwischen zwei Stauseen, denn unterhalb schließt gleich der Lago di Cancano an, an dessen Südufer die Schotterstraße jetzt zu den Torri di Fraele führt. Die beiden halb zerfallenen Wachtürme markieren den Abstieg ins Valdidentro 600 Meter weiter unten.

Von den Türmen weg bleibt die Strecke kurz auf der Straße, lässt diese aber bald liegen und widmet sich den Trails, die neben der Straße hinab ins Tal führen. Das sind natürliche Pfade in sonnendurchfluteten Lärchenwäldern, in denen mal etwas Geröll herumliegt oder ein paar Wurzeln die Federgabel zum Arbeiten zwingen – aber summa summarum einfach richtig Spaß machen. Ein kurzer Zwischenanstieg über nur 100 Höhenmeter auf der Straße tut nicht weh, dann runden lässige Waldwege und Trails diese spannende Abfahrt noch ab. Drei Kilometer auf dem Radweg und Seitenstraßen bis ins Ziel in Bormio sind dann am Ende die leichteste Übung auf dieser 90 Kilometer langen Vollbedienung. Den Ortler bekommt man nicht mehr zu Gesicht, aber heute hat man sich fast unbemerkt hinter das gewaltige Massiv geschlichen. Und darf Revue passieren lassen, wie viele Eindrücke auf dieser epischen Etappe an einem vorbei gerauscht sind. Wahnsinn! Wie weit der Ortler heute morgen vom Kirchturm in Graun aus gesehen noch weg war?


Shownotes


20.02.24 | Downloads: 543

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