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Es gibt Dinge, die braucht man eigentlich nicht. Noch eine App zum Beispiel. Und dann gibt es Dinge, bei denen man sich irgendwann fragt, warum man sie nicht schon viel früher gebaut hat. Willkommen bei Watt’n Mix! – unserer kleinen digitalen Mischzentrale für alles, was unterwegs in die Trinkflasche und in die Trikottasche gehört.

Von Trainingsdisziplin und Pulver nach Gefühl

Wer sich spezifisch auf einen Wettkampf vorbereitet, kennt das vermutlich: Der Coach macht sich Gedanken, schreibt Trainingspläne, definiert Intensitäten und gibt Empfehlungen zur Energieversorgung. Je nach Trainingsziel und Belastung brauche ich unterschiedliche Mengen an Kohlenhydraten, dazu Natrium und natürlich ausreichend Flüssigkeit. Und das Ganze möglichst in einem sinnvollen Verhältnis.

Klingt eigentlich überschaubar. In der Theorie. In der Praxis stand ich regelmäßig in meiner Küche, die Trinkflasche vor mir, verschiedene Pulver daneben und mit einer Motivation zum genauen Abwiegen, die irgendwo zwischen Steuererklärung und Keller aufräumen lag.

Maltodextrin? Ein bisschen. Fructose? Auch noch etwas. Salz? Wird schon passen. Deckel drauf, ordentlich schütteln und ab ging die wilde Fahrt. Ich vermute, diese Vorgehensweise ist dem einen oder anderen nicht völlig fremd. Das Problem dabei: Was für eine gemütliche Feierabendrunde vielleicht noch als kulinarischer Pragmatismus durchgeht, ist für eine gezielte Wettkampfvorbereitung nicht unbedingt die cleverste Strategie.

Vor ein paar Tagen kam mir deshalb eine Erkenntnis, die vermutlich niemanden überraschen dürfte: Ein bisschen mehr Sorgfalt könnte auch hier zu besseren Ergebnissen führen. Schließlich denkt sich mein Coach bei seinen Vorgaben ja etwas. Ich müsste sie nur konsequent umsetzen. Und genau da lag der Hase im Pfeffer. Denn eigentlich wollte ich nicht mehr rechnen. Ich wollte weniger rechnen. Am besten gar nicht.

Die Geburtsstunde einer ziemlich faulen Idee

Ich brauchte also ein Helferlein. Eines, dem ich sage, wie viele Kohlenhydrate ich pro Stunde aufnehmen möchte, wie viel ich trinken werde und wie lange die Einheit dauert. Dazu noch das gewünschte Mischungsverhältnis aus Maltodextrin und Fructose sowie die Natriummenge. Und dieses Helferlein sollte mir anschließend einfach sagen, wie viel von welchem Pulver in meine Trinkflasche gehört. Keine Tabellenkalkulation, kein Dreisatz, keine Zettelwirtschaft.

Einfach eine vernünftige Antwort auf die Frage: „Was muss heute eigentlich in die Pulle?“

Also habe ich ChatGPT mit meiner Idee konfrontiert. Was danach passierte, war ein bisschen wie eine dieser Ausfahrten, bei denen man eigentlich nur eine entspannte Stunde drehen wollte und plötzlich drei Stunden später irgendwo im Wald steht, weil hinter der nächsten Kurve bestimmt noch ein schöner Trail kommt.

Aus einer kleinen Idee wurde die nächste Frage. Aus der nächsten Frage eine zusätzliche Funktion. Und irgendwann war aus meinem Wunsch nach weniger Kopfrechnen ein echtes kleines Entwicklungsprojekt geworden.

Erst rechnen, dann schütteln

Der erste Ansatz war noch angenehm bescheiden. Ich gebe meine Zielwerte ein, der Rechner ermittelt die benötigten Pulvermengen. Fertig. Wobei „fertig“ bei solchen Projekten ein ausgesprochen dehnbarer Begriff ist. Zunächst musste klar sein, was eigentlich berechnet werden soll. Nicht irgendein theoretisches Kohlenhydratgemisch, sondern genau die Mischung, die zu meiner geplanten Einheit passt. Denn es ist eben ein Unterschied, ob ich eine lockere Grundlagenrunde drehe oder eine intensive Trainingseinheit absolviere. Auch die Trinkmenge ist nicht immer identisch. An einem kühlen Tag brauche ich möglicherweise weniger Flüssigkeit als bei sommerlicher Hitze.

Und dann sind da noch die verwendeten Produkte. Maltodextrin ist nicht gleich Fructose, und 100 Gramm Pulver entsprechen nicht bei jedem Produkt automatisch 100 Gramm Kohlenhydraten. Wer genau rechnen möchte, muss also auch die tatsächlichen Nährwerte berücksichtigen.

Wir haben deshalb nach und nach die Möglichkeit geschaffen, unterschiedliche Kohlenhydratquellen und deren Zusammensetzung zu berücksichtigen. Auch Cluster Dextrin kam als weitere Option hinzu. Was zunächst nach einer Kleinigkeit aussah, wurde damit zunehmend genauer. Und ich gebe zu: Es machte überraschend viel Spaß, dem Rechner beim Rechnen zuzusehen. Vor allem, weil ich es selbst nicht mehr machen musste.

750 Milliliter Realität

Kaum funktionierte die grundlegende Berechnung, tauchte das nächste Problem auf. Meine Trinkflasche hat schließlich ein begrenztes Fassungsvermögen. 750 Milliliter sind 750 Milliliter. Auch wenn die Mathematik der Meinung ist, dass ich für meine Einheit mehr Flüssigkeit benötige.

Also mussten unterschiedliche Flaschengrößen berücksichtigt werden. 500, 750 oder 1.000 Milliliter – je nachdem, was auf die Tour mitkommt. Aber auch damit war die Geschichte nicht zu Ende. Denn was passiert, wenn die geplante Trinkmenge nicht exakt auf die Flaschen verteilt werden kann? Soll ich die letzte Flasche trotzdem randvoll machen? Oder lieber nur so viel vorbereiten, wie tatsächlich gebraucht wird?

An dieser Stelle entwickelte ich eine erstaunliche Leidenschaft für präzise Füllmengen. Ein Beispiel aus unserer Testphase: Für eine 51-minütige Einheit mit 450 Millilitern Trinkmenge und 40 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde benötigt man exakt 382,5 Milliliter Getränk und 34 Gramm Kohlenhydrate. Nicht 500 Milliliter. Nicht eine Dreiviertelflasche nach Gefühl. 382,5 Milliliter.

Ich weiß. Man kann es auch übertreiben. Aber wenn wir schon einen Rechner bauen, dann soll er wenigstens besser rechnen als ich morgens vor dem ersten Kaffee. Inzwischen berücksichtigt Watt’n Mix! deshalb die tatsächliche Dauer und Trinkmenge. Eine zusätzliche Reserve gibt es nur, wenn ich sie ausdrücklich einplane. Und die benötigten Pulvermengen werden passend auf die einzelnen Flaschen verteilt.

Das Kleingedruckte im Pulverbeutel

Nun könnte man meinen, damit wäre die Sache erledigt. War sie natürlich nicht. Je länger ich mit der Anwendung herumspielte, desto häufiger fielen mir Dinge auf, die ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte.

Wie verhält sich die Mischung, wenn ich das Verhältnis zwischen Maltodextrin und Fructose verändere? Wie hoch ist die tatsächliche Kohlenhydratkonzentration des fertigen Getränks? Und wie viel Salz benötige ich, um auf meine gewünschte Natriumzufuhr zu kommen?

Plötzlich waren das keine abstrakten Zahlen mehr, sondern ziemlich konkrete Fragen. Watt’n Mix! sollte deshalb nicht nur die Grammzahlen ausspucken, sondern auch nachvollziehbar machen, was ich mir da eigentlich zusammenrühre.

Und dann gab es noch diese kleinen Dinge, die vermutlich nur auffallen, wenn man eine Anwendung tatsächlich im Alltag benutzt. Zum Beispiel Dezimalzahlen. Ein Punkt statt eines Kommas bei der Salzmenge mag mathematisch völlig korrekt sein. In meiner Küche, mit der Waage vor der Nase, möchte ich aber lieber eine vertraute deutsche Schreibweise sehen. Klingt nach Erbsenzählerei? Ist es auch. Allerdings mit einer Feinwaage.

Wir haben also weiter nachgebessert, ausprobiert, Ergebnisse überprüft und wieder nachgebessert. Nicht immer, weil etwas grundsätzlich falsch war. Sondern oft einfach, weil es noch ein bisschen besser, verständlicher oder praktischer ging.

Und plötzlich hatte das Kind einen Namen

Während wir an Berechnungen, Flaschengrößen und der Darstellung schraubten, wurde immer deutlicher, dass aus dem ursprünglichen Mixrechner mehr geworden war. Es kamen persönliche Profile dazu, damit nicht bei jeder Nutzung sämtliche Vorgaben neu eingetragen werden müssen. Die Bedienung sollte auch auf dem Smartphone funktionieren, weil ich meine Trinkflaschen schließlich nicht ausschließlich am Schreibtisch vorbereite.

Und ganz wichtig: Das Ganze sollte auch ohne Internetverbindung nutzbar sein. Eine Anwendung im Browser, die ich unabhängig vom Mobilfunkempfang verwenden kann. Ohne zusätzliche Installation einer großen App aus irgendeinem Store.

Irgendwann waren wir bei Version 9.4 angekommen. Neun Punkt Vier! Für etwas, das ursprünglich nur ein bisschen Maltodextrin und Fructose zusammenrechnen sollte. Spätestens da wurde mir klar, dass „Mixrechner“ als Name irgendwie zu kurz griff. Also haben wir auch darüber nachgedacht.

Und heraus kam: Watt’n Mix!

Ich musste grinsen, als der Name auf dem Bildschirm stand. Ein bisschen Wortspiel, ein bisschen Radsport und ziemlich viel von dem, was Coffee & Chainrings für mich ausmacht. Nicht übermäßig ernst, aber mit einer gewissen Ernsthaftigkeit bei den Dingen, die uns beschäftigen.

Was bleibt, wenn der Deckel wieder drauf ist?

Eigentlich ist die Sache ziemlich einfach. Ich wollte meine Trainingsversorgung besser planen, ohne jedes Mal selbst rechnen zu müssen. Herausgekommen ist eine Anwendung, die mir genau diese Arbeit abnimmt.

Natürlich macht Watt’n Mix! mich nicht automatisch schneller. Die Beine muss ich schon noch selbst bewegen. Und wenn ich nach zwei Stunden vergessen habe zu trinken, hilft mir auch die schönste Berechnung nichts. Aber ich kann die Vorgaben aus meinem Trainingsplan wesentlich einfacher in eine konkrete Flaschenmischung übersetzen. Vor allem habe ich bei der Entwicklung etwas festgestellt: Manchmal lohnt es sich, diesen kleinen Alltagsärgernissen nachzugehen, statt sie einfach hinzunehmen. Aus einem „Dafür müsste es doch etwas geben“ kann erstaunlich schnell ein „Dann machen wir das eben selbst“ werden.

Und vielleicht ist das sogar die schönste Erkenntnis aus der ganzen Geschichte. Es braucht nicht immer die große Idee. Manchmal reicht eine Trinkflasche, ein bisschen zu viel Pulver und die Erkenntnis, dass man schlicht zu bequem zum Kopfrechnen ist. Watt’n Mix! ist jedenfalls aus genau dieser Mischung entstanden.

Und während ich jetzt eigentlich zufrieden meine Flaschen befüllen könnte, kreisen im Kopf schon wieder die nächsten Gedanken. Was wäre beispielsweise, wenn sich nicht nur einzelne Trainingsflaschen, sondern ganze Ernährungsstrategien für mehrtägige Etappenrennen im Voraus planen ließen? Unterschiedliche Belastungen, wechselnde Etappenlängen und jede Menge Verpflegung, die irgendwie sinnvoll organisiert werden will.

Aber das ist eine andere Geschichte. Und vermutlich wieder eine, die mit dem Satz beginnt: „Eigentlich wollte ich doch nur …“ Bis dahin wird erst einmal gemischt.

Watt’n Mix! – weil eine gute Idee manchmal mit einer ziemlich vollen Pulle beginnt.

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