Stage-Racing ist „in“. Die immer weiter steigende Anzahl an Mountainbike-Etappenrennen spricht dabei für sich. Doch was macht ein gutes Etappenrennen aus und wie kommt ihr am besten, schnellsten und spaßigsten durch die Tortur? All das erfahrt ihr in meinem neuen Blog-Beitrag hier auf Coffee & Chainrings.

27 in 2017, 43 in 2018 und 48 in 2019. Das sind die UCI-gelisteten Stageraces der letzten Jahre. Seit 2017 hat sich die Anzahl also fast verdoppelt. Dieser Hype spricht für sich. Für uns Profis bieten die Etappenrennen neben einem hervorragenden Training, die Chance extrem wichtige Punkte für die Weltrangliste und für das Olympianationenranking zu sammeln. Darüber hinaus ist es meistens so, dass viele Veranstaltungen mit einer sehr schönen Streckenführung und einem hohen konditionellen Anspruch locken.

Bildschirmfoto 2019 01 22 um 08.27.25
MTBen liebt Etappenrennen. In der Vor- und Nachsaison finden sich deswegen immer Stageraces in seinem Rennkalender.

Für viele Breitensportler bieten die Stageraces außerdem die einmalige Gelegenheit, sich über mehrere Tage mit den Profis zu messen und zu sehen, wie man im Vergleich mit ihnen abschneidet. Wie viel schneller fährt dieser Zwiehoff wohl auf so eine 60 km Etappe? Wo macht er Zeit gut, kann man da vielleicht sogar mitfahren? Die Antworten auf diese Fragen gibt es nur beim nächsten Etappenrennen. 

Stageracing – für mich hervorragendes Training und großer Spaß zugleich

Ich habe meine Rennsaison 2018 mit dem Costa-Blanca-Bikerace im Januar und dem Epic Israel im Oktober sozusagen eingerahmt. Häufig ist es bei mir so, dass Etappenrennen den Beginn sowie den Abschluss der Saison markieren. Das kommt nicht von ungefähr, sondern hat sowohl trainingstaktisch, als auch punktetechnisch einen speziellen Hintergrund.

Im Frühjahr nutze ich die Etappenrennen in südlichen Gefilden vor allem zum Formaufbau. Natürlich kann man seine Form auch über ein gezieltes Trainingslager mit entsprechenden Intervallen „hochziehen“, jedoch gibt´s im Training selten eine ähnlich starke Konkurrenz und ausnahmslos nie auch nur einen UCI-Punkt zu holen. Dementsprechend haben sich zwei Etappenrennen zur Saisonvorbereitung für mich bewährt. Das waren in den letzten Jahren immer das „Club La Santa 4 Stage MTB Lanzarote“ und der „Volcat“ in der Nähe von Barcelona. Beide Veranstaltungen haben ihre ganz eigenen Reize. Während Lanzarote vor allem mit dem familiären Umfeld punkten kann (man fühlt sich eher wie auf einer CTF, als bei einem Rennen), lockt der „Volcat“ vor allem mit sehr ansehnlichen Landschaften und herrlichen Trails. Bei beiden Rennen landete ich schon auf dem Podest, so dass ich natürlich auch super schöne Erinnerungen mit diesen verbinde. 

Dunkle Seite der Etappenrennen – wenn es mal nicht nach Plan läuft


Oft genug habe ich es selbst erlebt: man ist super motiviert, liegt gut im Rennen, fühlt sich noch super und guckt schon aufs Höhenprofil um seine nächste Attacke zu planen – doch dann plötzlich „peng“ und „zischhh“: Platten. Manchmal geht´s sehr schnell, manchmal dauert die Reparatur ewig, weil der Reifen aufgeschlitzt ist. Ein Defekt auf einem Etappenrennen ist natürlich immer der „worst case“. Häufig verliert man zwar nur ein paar Sekunden oder ein bis zwei Minuten, allerdings verliert man meistens auch die Gruppe, in der man gerade war und das kostet bis zum Ziel manchmal ein Vielfaches der Zeit, die man zur Reparatur benötigt hat. Insofern ist ein Defekt beim Stageracing natürlich doppelt ärgerlich: man verliert nicht nur Zeit sowie Nerven, sondern auch Kraft und Energie, um den Rückstand möglichst gering zu halten. 

Um Defekte zu verhindern fahre ich immer mit meinen „schweren“ Teilen. Ich verzichte so gut es geht auf die Optimierung des Gewichts, sondern achte besonders auf die Haltbarkeit. Mein Bergamont-Bike ist für mein erstes Stagerace in 2019 auf Lanzarote nächste Woche beispielsweise mit Mavic Aluminiumlaufrädern, Maxxis EXO-Protection-Reifen (verstärkte Karkasse) sowie der verstärkten gelben Pepis Tire Noodle bestückt. Das ganze Equipment ist natürlich nicht so leicht wie meine XCO-Ausstattung, aber ein Defekt auf Lanzarote kostet definitiv mehr Zeit. Apropos: Ihr dürft gerne schonmal eure Daumen drücken, dass ich wie in den letzten Jahren defektfrei durchkomme und meine Leistung auf die Lavasteine der Kanareninsel bringen kann. 

3 Tipps vom MTBen für ein gelungenes Stagerace: 

  1. Schnell starten, aber früh mit den Kräften haushalten: Nahezu bei jedem Etappenrennen ist die Anfangsphase relativ schnell. Natürlich wird nicht so schnell wie im XCO gestartet, in der Komfortzone bewegt sich trotzdem keiner. Wichtig, damit ihr nicht Gefahr lauft nach kurzer Zeit schon im roten Bereich seid: clever fahren. Häufig überschätzen sich viele Fahrer am Anfang einer solchen Etappe und sind dann nach ein bis zwei Stunden schon „grau“. Wenn ihr eure Werte fahrt, umgeht ihr diese Gefahr und habt am Ende noch „was im Tank“. Überholen macht definitiv mehr Spaß als überholt zu werden 😉
     
  2. Direkt im Ziel beginne die Speicher zu füllen: den „open-window“-Effekt auszuschalten ist im normalen Alltag schon wichtig. Beim Stageracing ist es noch viel entscheidender. Die Regeneration beginnt meistens schon auf der Etappe, indem man sich entsprechend verpflegt. Ich nutze dafür in der letzten Stunde Nutrixxion Endurance „XX-Force“ mit Kohlenhydraten und Aminosäuren sowie zusätzlich nach der ersten Stunde alle 15 Minuten ein Gel. Im Ziel geht es gleich weiter. Am besten ein Recoveryshake und dann schnell die Kohlenhydratspeicher füllen – am besten mit Reis und Kartoffeln. Idealerweise innerhalb der ersten Stunde nach dem Zieleinlauf. Dann geht´s am nächsten Tag gleich top regeneriert weiter.
     
  3. Stresst euch nicht zu sehr, was die „3-Stunden-Regel“ des Frühstücks angeht. Drei Stunden vor dem Rennen die letzte Mahlzeit zu sich zu nehmen ist sinnvoll, damit der Körper sich während des Wettkampfs nicht noch mit der Verdauung beschäftigen muss. Bei vielen Etappenrennen geht es früh (8 – 8:30 Uhr). Mein Tipp an euch: Lieber eine Stunde länger schlafen und nur zwei Stunden vor dem Start frühstücken. Man geht wacher und konzentrierter ins Rennen und ist somit auch nicht so anfällig für etwaige Fahrfehler und Defekte.

Etappenrennen sind der Hammer! Ich habe jedes Mal ein wahnsinnigen Spaß und fahr gerne mit anderen Leuten über mehrere Tage um die Wette. Selbstverständlich nerven so Rennen wie das Epic Israel im letzten Jahr, wo wir durch mehrere Defekte die Gesamtwertung schon am ersten Tag verloren haben. Alles in allem ist es aber ein geiles Format und ich hoffe ich konnte euch ein bisschen von meiner Begeisterung abgeben. Den Rest zum Thema Stageracing gibt’s dann im nächsten Podcast. Bis dahin.

Euer Ben 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert