Emmerthaler Silvesterlauf
Im Kaffeekränzchen mit Axel und Mr. Wade haben wir das Jahr 2025 bereits rekapituliert. Wir blickten gemeinsam auf unsere individuellen Highlights zurück, aber auch auf die Tiefpunkte. Natürlich befindlichkeitsorientiert und stellenweise mit einem Augenzwinkern. So, wie wir es mögen.
Was ich zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht wusste: Das Jahr 2025 hatte noch ein ganz persönliches Highlight für mich parat – den 50. Emmerthaler Silvesterlauf
Im Blogbeitrag vom 24.09.25 hatte ich erstmals meine wiederentdeckte Lust am Laufen beschrieben und gleichzeitig mein Ziel für 2026 formuliert: die Teilnahme am ADAC Halbmarathon in Hannover am 12.04.26 mit einer Zielzeit von 1:59:59 h. Am 07.11.25 folgte dann ein erster Zwischenstand
Auf dem Weg dorthin nahm ich mir vor, den Emmerthaler Silvesterlauf als Trainingswettkampf und Standortbestimmung zu nutzen. In der Vergangenheit bin ich dort bereits mehrfach gestartet. Als gebürtiger Emmerthaler mag ich diese Veranstaltung sehr, und die Vorstellung, nach jahrelanger Abstinenz wieder am Start zu stehen, gefiel mir ausgesprochen gut. Eigentlich wollte Axel mich begleiten. Aufgrund seiner Fußverletzung wurde daraus leider nichts.
So stand ich nun am 31.12.25 um 14:05 Uhr in der vierten Startreihe.
Zitternd vor Kälte. Oder war es doch die Aufregung? Die Wetterbedingungen jedenfalls waren… sagen wir: ambitioniert.
In Emmerthal ist es Tradition, dass der Start vom Fahrplan der Deutschen Bahn abhängt. Etwa 500 Meter nach dem Start muss ein Bahnübergang überquert werden, der zwingend geöffnet sein muss, um den Wettbewerb nicht zu verzerren. Die Rennleitung steht dafür telefonisch in direktem Kontakt mit der Fahrdienstleitung. Erst wenn der Zug durch ist und der Übergang geöffnet wurde, fällt der Startschuss. Verzögerungen sind keine Seltenheit.
Dieses Mal war der Zug pünktlich. Und los ging’s.
Im Vorfeld hatte ich mich trotz der widrigen Bedingungen bewusst dafür entschieden, mich ordentlich einzulaufen. Dazu absolvierte ich die neue zweite Runde der Strecke und versuchte, etwas Lockerheit in Beine und Kopf zu bekommen. Dick eingepackt, mit den Adidas Adizero SL2 an den Füßen, fühlte sich das Ganze allerdings eher zäh an. Die Knochen wollten nicht so recht. Es knirschte ordentlich. Kurz vor dem Start entledigte ich mich dann diverser wärmender Schichten und stand schließlich mit den Nike Zoom Fly 6, kurzer Hose und dünnem Trikot an der Linie.
Mit dem Startschuss war plötzlich alles anders. Keine Spur mehr von schweren Knochen oder knirschenden Gelenken. Leichtfüßig, mit ordentlich Zug nach vorne, preschte ich los und musste mich sofort zügeln, um nicht völlig überpacend von der Meute mitgerissen zu werden. Ich schaute bewusst nicht auf die Uhr, lief nach Gefühl. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, noch einen kleinen Gang übrig zu haben. Nach gut drei Kilometern erfolgte die erste Start-Ziel-Passage. Knapp über 12 Minuten zeigte die Uhr. Ich war ehrlich überrascht.
Nun ging es auf die neue zweite Runde. Ich versuchte klug zu pacen und hielt mein Tempo konstant. Hier und da überholte ich andere Teilnehmer. Bei etwa 21 Minuten kam ich erneut durch Start und Ziel.
Und dann begann es. Das Denken. Das Rechnen.
War da vielleicht doch eine Zeit unter 30 Minuten möglich? Dafür müsste ich das Tempo in der dritten Runde mindestens halten. Der Entschluss fiel schnell: Jetzt wird geraced. All out. War der Lauf bis dahin eher als Standortbestimmung mit einer Zielzeit unter 35 Minuten geplant gewesen, übernahm nun der Wettkämpfer.
Was ich dabei nicht auf dem Schirm hatte: In der dritten Runde würde ich überrunden müssen. Erstmals in der Geschichte des Emmerthaler Silvesterlaufes waren mehr als 1.000 Teilnehmer am Start, entsprechend voll waren die Straßen. Besonders in der dritten Runde, die teilweise über schmale Fußwege durch ein Wohngebiet führt, steckte ich mehrfach im Pulk langsamerer Läufer fest. Im Slalom kämpfte ich mich durch das Feld, beschleunigte, wo es ging, und merkte zunehmend, wie die Kräfte schwanden. Die Bewegungen wurden härter, weniger rund. Die Lunge brannte, die Oberschenkel meldeten sich deutlich. Ich war am Limit.
Als ich um die letzte Kurve auf die Zielgerade einbog, sah ich aus der Ferne, wie die Uhr auf 29:00 Minuten sprang. Jetzt war klar: Das klappt.
Mit einer Finisherzeit von 29:35 Minuten kam ich ins Ziel.
Zufrieden lief ich noch ein wenig aus, zog mir umgehend trockene Kleidung an, holte die obligatorische Finisherkachel ab, plauderte hier und da mit ein paar Bekannten und machte mich dann schnellstens auf den Weg zu Kaffee und Kuchen zu meinen Eltern. Dort erreichte mich per SMS die Nachricht, dass ich den 4. Platz in meiner Altersklasse belegt hatte. 50 Teilnehmer wurden dort gewertet. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.


Ein rundum gelungener persönlicher Jahresabschluss. Und der Beweis, dass mein Training funktioniert. Die JOIN App hat mich auf diesem Weg begleitet, auch wenn ich mich nicht sklavisch an ihre Trainingsvorgaben halte.
